Wandertag

Vor zwei Tagen hat es geregnet. Das ist in der Schönwetterperiode, in der wir uns befinden, schon eine Meldung wert. Die Windrichtung drehte ganz plötzlich von Nord auf Süd und blies die Regenwolken vom Ionischen Meer aufs Festland. Der Wind frischte auch merklich auf, richtig kalt war es trotzdem nicht. So hatte ich für ein paar Stunden etwas Dänemark-Feeling. Wir haben die Markise vom Bulli ausgefahren, natürlich mit etwas Schräglage, so dass das Regenwasser abfließen konnte. Dann gab es Oktopus-Garnelen-Tomaten-Reis und wir haben uns im Bulli zusammengekuschelt und eine Folge „Damengambit“ auf dem iPhone angeschaut. So läßt es sich auch im Regen gut aushalten. Am nächsten Morgen war das Wetter wieder schön aber wir hatten etwas mehr Brandung als sonst. Daher ging es vor dem Frühstück schnell ins Wasser.

Gefrühstückt haben wir auswärts. Wir sind zur Bäckerei in Finikounda geradelt und haben uns dort mit frischen Croissants, einer belegten Semmel und einen Kaffee für mich eingedeckt und haben am Fischerhafen auf einer Bank alles genüßlich verspeist. Die Fischerboote im Hafen sind echt winzig. Für einen Mann Besatzung gemacht, würde ich schätzen.

Vor ein paar Tagen hatte ich schon mal eine mögliche Wandertour auf komoot.de herausgesucht. Die Tour sollte in Finikounda losgehen und dem Bachlauf folgen, schließlich sollte man den Bach überqueren und auf der anderen Seite wieder zurückgehen. Klang einfach und die Dauer war für 2h angegeben. Als Lockdown-Tour klang das gut.

Wir haben daher unseren Rucksack gepackt, haben einen Wanderstock gegen streunende Hunde mitgenommen und natürlich Wasser und etwas Proviant. An der Hauptstraße ging es links ab, an der Ölmühle vorbei bis zu einem Grundstück mit Truthähnen und Hühnern. Da Chrischi neugierig die riesigen Truthähne beobachtete, kam der Besitzer des Grundstückes zu uns, der gerade die Hühner fütterte: ein Österreicher, der in Finikounda ein Haus gekauft hat und hier seit seiner Rente lebt. Wir kamen ins Gespräch und Lampert (ich glaube, so heißt er) lud uns auf ein Getränk ein. Die Weisheit „kein Bier vor vier“ haben wir ignoriert und uns ein Stiegl reingepfiffen. Es stellte sich heraus, dass Lampi auch Fußballfan ist und über COSMOTE, einem griechischen Anbieter, alle Bundesligaspiele empfangen kann. Was soll ich sagen: Chrischi hat einen neuen besten Freund und am Samstag können wir Bayern gegen Werder bei Lampi schauen.

Ein Stiegl später als geplant haben wir uns dann auf unsere Tour gemacht. Es ging am bereits erwähnten Bach entlang (der aber ziemlich trüb daherkam) und durch zahllose Olivenhaine. Überall blühten Usambaraveilchen am und auf dem Weg. Ca. eine Stunde später, haben wir dann den Bach überquert und mussten einen steilen Anstieg hoch auf einen Hügel. Von dort hatten wir einen super Ausblick. Und auch irgendwo dort sind wir vom rechten Weg abgekommen. Wir konnten uns aber immer am Meer orientieren und sind dann teilweise quer über die Olivenhaine bis zum nächsten kreuzenden Weg gelaufen, dem sind wir dann wieder gefolgt und haben gehofft, er führt uns schon wieder Richtung Finikounda.

An einem entlegenen Gehöft waren am Wegesrand drei Ziegen angebunden. Leider wurden diese auch von drei giftigen Kötern bewacht. Ich glaube nicht, dass das streunende Hunde waren. Trotzdem kam unser Stock zum Einsatz. Ich glaube ohne den Stock wäre das nicht so glimpflich ausgegangen… Chrischi war danach deutlich nervös und schaute sich alle paar Meter um, ob die blöden Hunde uns folgen würden. Taten sie nicht. Aus den Augen aus dem Sinn.

Dann war der Weg plötzlich zu Ende. Eben verlief er noch schön am Bachlauf und dann das! Wir meinten einen Trampelpfad auszumachen aber der führte uns nur durch dorniges Gestrüpp und wir zerkratzen uns die Beine. Also sind wir wieder kehrtmarsch den Weg zurückgegangen und haben geschaut, ob wir eine Abzweigung übersehen hatten. Glücklicherweise gab es eine und die führte uns dann wieder in die gewünschte Richtung.

Wir sind dann noch an einer kleinen, orthodoxen Kirche vorbeikommen. Die Tür war nur einen knappen Meter hoch und man musste sich eher hineinzwängen. Der Innenraum war deutlich prächtiger ausgestattet als es das schlichte Gebäude vermuten ließ: Vergoldete Ikonen und Taufbecken…

Und schließlich – wir hatten schon keine rechte Lust mehr – sind wir auf unseren Pfad vom Hinweg gestoßen. Der Weg führte wieder an Lampis Haus vorbei. Er staunte nicht schlecht: „da seid’s ja scho wieder“. Es gab noch ein Bier und dann sind wir weiter zum Campingplatz. In Summe waren wir 5h unterwegs. Wir haben uns den Wanderschweiß im Meer abgewaschen und Chrischi wurde erneut vom Fisch gebissen. Zum Abendessen gab es Reste und wir sind früh in die Koje gefallen.

Gerne möchten wir noch auf den Reiseblog von „Berlin“ verweisen: https://hierdadort.de Mit weitaus exotischeren Reisezielen als Griechenland.

Paella-Night

Am Samstag stand die nächste Verabschiedungsparty für „Berlin“ an. „Bielefeld“ hat eine gasbetriebene Paella-Pfanne dabei. Die sollte noch ausgenutzt werden, denn auch „Bielefeld“ fährt am Montag zurück nach Deutschland.

Der Tag fing jedoch erst einmal mit einem Killerfisch-Angriff auf Chrischi an. Er sprang am frühen Morgen in die Fluten und kam wahrscheinlich einem Gelege zu nah. Mama- oder Papa-Fisch, von der Größe einer Sardine, fand das nicht so gut und blies zur Attacke. Der erste Biss war schon schmerzhaft, aber der Angreifer setzte nach und nach dem zweiten Biss floss tatsächlich Blut. Das war dann gleich Gesprächsthema Nr. 1 im Waschhaus.

Wir haben uns die Einkäufe für die Paella aufgeteilt, Chrischi und ich waren für die Hühnchenbrust-Filets und den Reis zuständig. Und natürlich sind wir zu unserem Lieblings-Metzger nach Finikounda gelaufen. Im Ort gibt es übrigens auch eine gute Bäckerei. Natürlich backen sie mit Weizenmehl aber das Brot hält einige Tage und schmeckt.

Den restlichen Tag haben wir am Strand vom Campingplatz verbracht. Das Wetter ist seit Tagen wieder super. Derzeit faulenzen wir viel und lesen Bücher im Akkord. Abgesehen von Svennis E-Book-Reader und der darauf abgespeicherten kleinen Bibliothek hat auch der Campingplatz eine Bücher-Tauschbörse. Daher haben wir genügend Lesestoff.

Gegen 15 Uhr haben wir mit den Vorbereitungen für die Paella begonnen. Die Tische wurden zusammengestellt, Gemüse wurde geschnibbelt, das Hühnchenfleisch in Stückchen geschnitten, die Garnelen angebraten und natürlich wurde der Reis mit viel Brühe und Weißwein abgelöscht. Die Paella schmeckte herrlich und die Stimmung am Strand war super.

Ab heute Abend sind es dann nur noch 4 Leutchen, die sich während des Sonnenuntergangs am Strand zum „Stuhlkreis“ treffen: „Bern“ und wir. „Bern“ sind Susanne und Roger, ein paar Plätze weiter, die mit einem orangefarbenen Range Rover älteren Baujahrs seit Jahren Touren machen. Einmal sogar bis Indien. Ich möchte mir in den nächsten Tagen noch ein paar Reisegeschichten erzählen lassen. Kurz nach Sonnenuntergang fangen die Gold-Schakale an zu heulen. Das ist auch wunderbar. In den Hügeln um Finikounda gibt es einige Rudel, dann und wann huschen die scheuen Tiere auch mal über den Campingplatz, erzählte Susanne. Gesehen habe ich noch keine, es gibt wohl zu viele Camper mit Hunden.

Heute steht bei uns Oktopus auf dem Speiseplan.

Die Ölmühle von Finikounda

Mittlerweile hatten wir den ersten Regentag in Griechenland. An diesem grauen Tag ist „Regensburg“ abgereist und unsere Nachbargemeinschaft ist nun leider etwas kleiner geworden. Zum Abschied haben wir alle gemeinsam am Strand gegessen. „Regensburg“ hatten sich gewünscht, dass wir früh Essen (so gegen 16 Uhr), damit sie zeitig ins Bett kämen und am nächsten Tag fit wären. Es sollte am Morgen früh los gehen. Der Plan ging etwas nach hinten los. Wir haben zwar früh gegessen aber der Abend wurde durch den frühen Start eigentlich nur um so länger. „Regensburg“ sind am nächsten Morgen etwas derangiert ins Auto gestiegen 🙂 Wir haben an dem lustigen Abend gelernt, dass es bei der Paaranbahnung zwar risikoreich ist, die erste Textnachricht mit „Hi Du Ei“ zu starten (beispielsweise weil man im Suff den Namen der Angebeteten vergessen hat). Es muss aber nicht zwangsläufig das sofortige Aus der Beziehung bedeuten.

Im Laufe des Tages wurde das Wetter besser. Und am Abend fand unser Ausflug zur Ölmühle statt. Der Ausflug war einerseits interessant aber auch recht schräg.

Hier das Interessante: Die Olivenernte auf den Feldern um uns herum ist in vollem Gange. Es werden einfach die Äste mit den Oliven angeschnitten und auf unter den Bäumen ausgebreiteten Matten gesammelt. Die Äste werden dann bereits auf dem Feld mit einer Maschine von den Oliven getrennt. Die Oliven und noch viel daran hängende kleine Zweige und Laub werden in Säcke verpackt. Praktisch: die Bäume werden mit diesem Verfahren auch gleich in einem Abwasch zurückgeschnitten und tragen im nächsten Jahr wieder mehr Oliven (@Martin & Pia: theoretisch so wie bei Eurem Apfelbaum 🙂 )

Die Olivensäcke werden dann zur Ölmühle gebracht. In der Mühle wird streng darauf geachtet, die Oliven der unterschiedlichen Landwirte auseinanderzuhalten, damit jeder auch nur das Öl aus seinen eigenen Oliven erhält.

Der erste Schritt ist ist das maschinelle Trennen der Oliven von den Zweigen und Blättern. Dann werden die Oliven gewaschen. Im dritten Schritt kommen sie in die Mühle und werden erhitzt und zu Mus verarbeitet. Schließlich wird das Olivenmus in Flüssig- und Feststoffe getrennt. Die Maische wird in einer anderen Mühle weiterverarbeitet und es wird noch einmal Öl daraus gepresst. Dieses Öl ist aber minderwertiger und wird zum Backen oder Frittieren genommen. Unser gutes Olivenöl stammt aus der gewonnenen Flüssigkeit – die zu diesem Zeitpunkt noch ein Wasser/Öl-Gemisch ist. Im letzen Arbeitsschritt wird in einer Zentrifuge das Wasser vom Öl getrennt. Das Öl wird in Kanister abgefüllt. Fertig.

Schön zu hören war auch, dass die Überreste (nachdem das Bratenfett daraus gewonnen wurde), getrocknet und als Brennmaterial zum Heizen der Kessel in der Ölmühle verwendet werden. Somit wird die komplette Olive (inkl. Stein) verwertet.

Hier das Schräge: Wie im vorherigen Beitrag erwähnt, hat uns Tom mit zur Ölmühle genommen. Tom mag Frauen, soviel ist mal klar. Als Christian und ich zum verabredeten Zeitpunkt an die Rezeption kamen, schien er etwas enttäuscht, dass ich mit männlicher Begleitung erschien. Er schlug vor, wir sollten doch sein Motorrad nehmen um zur Mühle zu fahren. Auf meine entgeisterte Nachfrage: „zu Dritt?“, kam vom ihm nur: „No, no, only you. Your husband goes by bike.“. Von wegen. Chrischi und ich haben uns beide aufs Rad geschwungen und sind Tom auf seinem Motorrad gefolgt. Es war auch nicht weit. Während er gesamten Führung hat er nur zu mir gesprochen, als ob Chrischi gar nicht da wäre. Das war schon sehr irritierend. Nach der Führung schlug er vor, wir könnten ja noch einen Ouzo gemeinsam trinken. Wir hatten keine große Lust aber schließlich hatte er sich Zeit genommen und wir haben gute Manieren, daher willigten wir ein. Er bestand darauf, dass wir bei uns am Camper gemeinsam Ouzo trinken und etwas Essen. Und dann ging er einfach nicht mehr… Und am nächsten Abend kreuzte er gleich wieder auf und setzte sich ungefragt an unseren Tisch. Wenn das so weiter geht, dann ist ein ernstes Wort angebracht. Ich glaube, er ist einfach einsam…

Van Life Community

Unser Campingplatz ist gut gefüllt, hauptsächlich von deutschen Campern und auch häufig von denen, die sonst wild gecampt hätten und sich aber während des Lockdowns lieber einen offenen Campingplatz gesucht haben. Wir stehen zwischen „Bielefeld“ und „Berlin“. „Regensburg“ steht schräg gegenüber. Bis auf „Berlin“ teilen wir alle (und noch einige Bewohner mehr auf dem Campingplatz) das gleiche Schicksal: ein Sabbatical war geplant, alles vorbereitet und dann kam Corona. „Regensburg“ haben mit viel Mühe und Kosten einen Aufbau für ihren Pickup Truck selber gebaut und wollten mit dem Auto nach Südamerika und dort ein Jahr herumfahren. An alle Details wurde gedacht: vergrößerter Tank, ausgefeilte Bio-Toilette usw. Und dann wurde nichts daraus.

Die Berliner haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und sind Reisejournalisten. Sie probieren beispielsweise Wandertouren aus und schreiben darüber ein Wanderbuch oder liefern den Text für Bildbände. Klingt nach einem tollen Job.

Die meisten Camper sind schon deutlich länger unterwegs als wir und haben bereits den Sommer in Griechenland verbracht. Und da jetzt hier die Tage kürzer und kälter werden, machen sich viele langsam auf den Rückweg nach Deutschland. Täglich reisen welche ab.

Noch sind wir jedoch nicht alleine und verbringen lustige Abende mit unseren neuen Nachbarn. Sandra (Bielefeld), Rosi (Regensburg) und ich haben uns zu einer kleinen Yoga / Bauch-Beine-Po-Gruppe zusammengefunden und haben schon 2x am Strand unsere Yogamatten ausgebreitet und uns vor den Augen aller anderen Camper ausgetobt. Zu dritt macht man das, alleine eher nicht 🙂

Vorgestern haben wir unser zweites Formular gezückt und haben Sport eingetragen. Dann haben wir uns auf unsere Fahrräder gesetzt und sind ein paar Kilometer aus Finikounda rausgefahren, an der Ölmühle vorbei, den Berg hoch zum nächsten Dorf. Und dann irgendwann wieder runter. Es ging schon recht steil hoch aber auch hier fahren die Touristen gerne E-Bikes. Nur wir sind noch mit reiner Muskelkraft unterwegs.

Die oben erwähnte Ölmühle werden wir uns morgen mit Tom anschauen. Tom ist Rentner (schätze ich) und arbeitet aber noch auf dem Campingplatz und auch in der Olivenöl-Produktion. Er will uns mitnehmen. Ich freue mich, so viele Ausflüge stehen die nächsten Wochen Lockdown-bedingt nicht an.

Heute waren wir mit Formular Nr. 1 (Shopping) in Finikounda zum Einkaufen. Wir waren bei einem der drei Metzger am Ort. Die Menge drei ist schon erwähnenswert. In einem Dorf mit ähnlicher Größe in Deutschland würde es nicht mehr einen Metzger geben. Wir haben für ein gemeinsames Essen mit unseren Nachbarn (Abschiedsessen für „Regensburg“) Lamm-Koteletts und Hühnchen-Spieße gekauft. Der Metzger nahm ein ganzes Lamm aus seinem Kühlhaus und hat es auf einer Holzbank mit einem Beil zerteilt. Frischer geht es nicht. 10 Koteletts und 4 Spieße für 15 Euro sind auch ein Hammerpreis. Das Lamm ist bereits mariniert und liegt im Kühlschrank. Dazu gibt es die leckeren grünen Bohnen in Tomatensauce von unserem Lieblingskoch Ottolenghi.

Lockdown in Finikounda

Am 5. November, einen Tag vor dem griechischem Lockdown, sind wir gen Süden gefahren. Ziel war der Campingplatz Anemomilos in Finikounda. Unsere neuen Schweizer Freunde hatten vom Platz geschwärmt – ohne die klassischen Parzellen, mit einer super Bucht, 15 Minuten Laufdistanz zum Ort mit Supermarkt und vor allem etwas wärmer als im Norden der Peloponnes. Das klang doch super für 3 Wochen Lockdown.

Wir haben also unsere sieben Sachen gepackt und sind in der Frühe los. Zunächst einmal haben wir uns im Supermarkt mit dem Nötigsten eingedeckt (Klopapier, Alkohol – klingt doch vertraut nach Lockdown). Erstes Etappenziel unserer Fahrt war ein Bahnhof an einer stillgelegten Bahnstrecke bei Kaiafas. Im alten Bahnhofsgebäude sei ein Café und der Strand wäre toll, berichteten Romy und Peter. Das Café war leider bereits geschlossen und man hat in Vorbereitung auf die nächsten drei Wochen bereits aufgeräumt und die Bude winterfest gemacht. Wir haben dennoch dort gefrühstückt und den Strand und die schöne Landschaft genossen.

In Pylos kamen wir noch an einem Aquädukt aus dem 17. Jahrhundert vorbei. Und natürlich an tollen Ausblicken auf das Meer.

Den Campingplatz haben wir problemlos gefunden und durften uns gleich einen Platz aussuchen. Check-in bestand aus Personalausweis abgeben, mir einen (berechtigten) Spruch über mein Bild anhören und der Bitte, um 17 Uhr wieder an die Rezeption zu kommen, da wäre Kostas, der Chef, von der Olivenernte zurück. Hier wird nämlich gerade überall fleißig geerntet und Olivenöl gepresst.

Wir sind dann gleich nach Finikounda geradelt und haben uns das kleine Fischerdorf einmal angeschaut. Am nächsten Tag ging das ja nicht mehr so ohne weiteres. Am Hafen kann man den Fisch direkt vom Boot kaufen. Die Fischer bieten für die Camper einen extra Service an und fahren vor Einfahrt in den Hafen dicht am Campingplatz vorbei und tuten. Das ist der Hinweis, dass es frischen Fisch zu kaufen gibt. Dann setzt man sich schnell aufs Fahrrad und macht die Sache klar.

Unter den Campern war Gesprächsthema Nr. 1 natürlich der Lockdown. Nach und nach wurde klar: so schlimm wird es nicht. Es hieß man solle eine SMS an eine bestimmt Nummer schreiben, wenn man den Campingplatz verlassen will und eine Begründung angeben: 2 = Einkaufen, 6 = sportliche Betätigung. Mehr Begründungen benötigen wir hoffentlich nicht, Es gibt auch Arztbesuch, Beerdigung usw. Mit der SMS hat es aber nicht geklappt – es stellte sich heraus, dass geht nur mit griechischer Nummer. Für uns Urlauber gibt es jetzt ein handgeschriebenes Formular von Kostas. Er bittet darum, die Datum- und Uhrzeitfelder mehrmals zu nutzen (altes Datum durchstreichen, neues daneben schreiben). Machen wir gerne 🙂 Ansonsten kann man sich ja auf dem Campingplatz frei bewegen, schwimmen gehen, am Strand spazieren gehen … Lockdown-Light in München hatte uns weitaus weniger Freiheiten gegeben. Natürlich haben wir riesiges Glück mit dem Wetter. Bei 23 Grad ist alles super, wenn es regnen und stürmen würde, wäre es im Camper ziemlich schnell eng und langweilig. Zumal ich gestern unser iPad geschrottet habe und wir unsere heruntergeladenen Filme (für lange Nächte und Regentage) jetzt nicht mehr sehen können.

Am Abend waren wir noch einmal in Finikounda und haben in einer Taverne zu Abend gegessen.

Angekommen ….

Die Fähre sollte laut Fahrplan um 20:00 Uhr in Igoumenitsa ankommen. Wir hatten aber die Zeitverschiebung nicht bedacht und so sind wir erst gegen 21:30 Ortszeit vom Schiff heruntergerollt. Selbstverständich hatten wir im Vorfeld das PFT-Formular – wie von den griechischen Behörden gefordert – ausgefüllt und konnten unseren QR-Code, den man am Tag der Einreise per SMS erhält, vorweisen. Eine Beamtin hat das auch kontrolliert. Es hieß, es werden stichprobenartig Passagiere ausgewählt, die dann zum Corona-Test müssen. Wir konnten aber gleich weiterfahren.

Sofort nach dem Fährterminal musste man sich entscheiden, ob man rechts oder links fährt. Mein ungeduldiger Mann wollte eine kurze Recherche nach der besseren Route nicht abwarten (manche können sich die Szene bestimmt bildlich vorstellen) und wir fuhren dann halt links. Das war die Autobahn und nach unseren Straßenerfahrungen in und um Brindisi war das Fahren eine Wohltat. Tipptopp Straßen – wahrscheinlich EU gefördert 😉 und kein Mensch mehr unterweges in Griechenland nach 22 Uhr.

Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit lag der Pamvotida-See von Ioannina an unserer Strecke. Ich dachte mir, dass wäre doch ein idealer Platz um die Nacht zu verbringen. Wir haben auch einen Stellplatz direkt am See gefunden aber der war bei Tageslicht leider auch nicht so dolle. Das übliche: Klopapier, Kondome usw. Später haben wir auch erfahren, dass der See zwar geschützt ist aber das das keinen so richtig schert und Fischfarmen, ungeklärte Abwassser, Landwirtschaft und Reste aus Tierfutterbetrieben dem See so langsam den garaus machen. Am frühen Morgen konnten wir einen Fischer beobachten, der auf den See fuhr und das machte, was Fischer halt so machen. Lecker Fisch auf dem Tisch… Hoffentlich haben wir den nicht auf unserer Speisekarte in den nächsten Wochen. Der aufmerksame Leser merkt so langsam: wir erfahren viel immer erst später 🙂

Unserer erster Campingplatz lag auf den Peloponnes bei Vartholomio (Glyfa) und hieß Ionion Beach. Ich hatte auf einem Reiseblog von dem Campingplatz gelesen. Das Paar, das den Blog schreibt, hat vor 2 Jahren auf dem Campingplatz überwintert. Ich hatte die Betreiber im Vorfeld angeschrieben ob der Platz geöffnet sei (bei der Corona-Situation ist sicher lieber sicher). Das war neben der Buchung der Fähre und dem PFT-Formular unsere einzige Vorbereitung auf die Reise. Nee, stimmt nicht, ich habe den Rother Wanderführer für die Peloponnes noch zwei Tage vor Abfahrt bei Amazon Prime (böse, ich weiß) bestellt.

Wir hatten einen Stellplatz in zweiter Reihe vom Strand aus gesehen. Der Platz war schon ganz gut: gehobene Klasse mit Pool und (geschlossener) Beach-Bar. Kaum angekommen, haben wir vom geplanten Lockdown in Griechenland erfahren. Na toll.

Schräg gegenüber von uns hatten Romy und Peter ihren Stellplatz, ein Reiseduo aus der Schweiz. Chrischi kam mit ihnen ins Gespräch. Zunächst – seien wir mal ehrlich – weil er auf ihren Stellplatz direkt am Wasser scharf war. Dann ergab aber das eine das andere und am Ende sind wir mit den beiden in den nächsten Ort geradelt um noch einmal vor dem Lockdown auswärts essen zu gehen. Der Laden hieß „Bier Welt“ 🙂 Oh Mann. Wir hatten einen sehr lustigen Abend mit den beiden und sie empfahlen uns am nächsten Tag (der Tag vor dem Lockdown) weiterzufahren zu dem Campingplatz von dem sie kamen. Der wäre im Süden der Halbinsel und eine Wucht. Wir haben sofort angebissen.

Transit nach Griechenland

Unsere Fahrt nach Brindisi war recht unspektakulär. Niemand hat sich für uns interessiert, obwohl wir weit und breit die einzigen Camper waren. Die ersten zwei Tage sind wir ausschließlich Landstraße gefahren und haben uns am frühen Abend ein Plätzchen zum Übernachten gesucht.

Am ersten Abend hatten wir uns einen Wander-Parkplatz in der Nähe von Rovereto ausgeguckt (mit Wasseranschluß). Irgendwann waren alle Spaziergänger weg und wir hatten unsere Ruhe und es gab die ersten Spaghetti unserer Reise. Das mit der Ruhe war dann aber schnell vorbei, da die Jugendlichen des Ortes den Parkplatz als Ausweichstreffpunkt erkoren haben. Irgendwann standen so etwa 15-20 Leute um unseren Camper herum. Chrischi meint, das letzte Auto ist um 4 Uhr in der Nacht abgefahren…. 🙂

Am zweiten Abend haben wir gleich südlich von Ancona übernachtet. Laut unserer Park4Night App sollte es einen ruhigen (!) Platz am Friedhof von Poggi geben. Dem war auch so. Wir hatten von unserem Hügel einen tollen Blick ins Tal mit einem super Sonnenuntergang und auf der anderen Seite Blick aufs Meer.

Nach einem Frühstück am Strand haben wir unsere einzige touristische Besichtigung in Italien gemacht und uns den Wallfahrtsort Loreto angeschaut. Man sah der Bastei schon an, das sie irgendwie wichtig war aber wir zwei Holzköpf hatten natürlich keine Ahnung warum. Tatsächlich haben wir es erst hinterher gelesen. Irgendwann im 13. Jahrhundert gab es anläßlich einer fürstlichen Hochzeit ein Heiligtum zum Geschenk: das Haus der Jungfrau Maria aus Nazareth. Kreuzfahrer haben das Haus in Palästina abgebaut, nach Italien verschifft und in Loreto wieder aufgebaut. Auch aktuelle Untersuchungen ergaben, dass die Steine nicht aus Italien stammen und dass sie exakt zur Grotte in Nazareth passen, wo das Haus ursprünglich einmal stand. Sachen gibt‘s.

Dann haben wir Strecke gemacht und sind bis Brindisi Autobahn gefahren. Da durfte auch ich mal ans Steuer 😉 Brindisi selber ist ein Loch – zumindest der Teil, den wir gesehen haben. Man sah der Stadt und vor allem den Straßen an, dass der Süden Italiens so gar nicht mit Geld gesegnet ist. Ursprünglich hatten wir vor, am Fährhafen-Terminal zu schlafen, haben es uns aber schnell anders überlegt: alles voller Müll und Scheiße. Richtig fies. Daher sind wir wieder ein paar Kilometer aus der Stadt heraus gefahren und standen am Ende in einem Olivenhain, sehr malerisch. Der letzte Kommentar in der Park4Night App war ein paar Monate alt, da wurden die Camper aber von einem bewaffneten Security-Typen verjagt. Die Vorstellung fand ich etwas unschön – aber uns ist das nicht passiert. Glücklicherweise.

Um 11:30 Uhr am nächsten Tag ging unsere Fähre nach Igoumenitsa, die schnellste und preiswerteste Überfahrt, die ich finden konnte. Neben einer Reihe von LKWs gab es drei Camper und ein Pärchen aus Erding auf Motorrädern. Das war‘s. Alle LKW-Fahrer hatten wohl Kabinen gebucht um sich aufs Ohr zu legen. Daher war das Gästedeck wie ausgestorben. Tipptopp in Zeiten von Corona.

180 Tage unterwegs …. Pustekuchen

Geplant war, dass wir genau jetzt in Bangkok am Chao Phraya im befreundeten Restaurant von unserem AirBnB-Host sitzen und uns an dem ersten Essen in Asien und den vielen Eindrücken der thailändischen Hauptstadt berauschen lassen. Zwei Jahre haben wir gespart und uns vorbereitet, Flüge gebucht und Bücher und Artikel gelesen … und dann kam Corona. Zefix.

Im März 2020 waren wir trotz allem noch guter Dinge, im Sommer sickerte dann so langsam die Erkenntnis durch: das wird nix mehr dieses Jahr.

Wir konnten den größten Teil unseres Sabbaticals auf unbestimmte Zeit verschieben – meinem Arbeitgeber sei gedankt für die Flexiblität – aber der November & Dezember, die waren schon fest vorgegeben und es war klar: da haben Chrischi und ich beide frei.

Anfang September 2020 schien es eine gute Idee zu sein, ein Wohnmobil zu mieten und autark der Sonne hinterher und von den Corona-Inzidenzzahlen wegzufahren. Da konnte sich ja noch keiner vorstellen, dass die angekündigte zweite Welle schon im Oktober zuschlägt und das auch noch in Spanien und Frankreich, Ländern im europäischem Süden mit zu der Zeit noch hohen Temperaturen.

Wir sind jetzt trotzdem gefahren, haben uns einem Tag vor dem Lockdown-Light durch die Hintertür heimlich aus Deutschland herausgeschlichen und sind nun in Italien – aber nur Transit – auf dem Weg nach Griechenland. Die Peloponnes waren bis einschließlich Donnerstag letzter Woche noch „grün“ auf reopen.europe.eu. Und auch dort ist das Wetter deutlich besser als in München. Wenn man die Wahl hat, im grauen München den Lockdown zu zweit in einer 50qm Wohnung zu verbringen oder – allen Warnungen zum Trotz – etwas zu wagen und in die Sonne zu fahren … dann fällt die Wahl nicht wirklich schwer. Wir haben ja nicht viel zu verlieren. Entweder schickt man uns zurück oder läßt uns erst gar nicht rein … oder halt doch. Und dann sind wir allein unter Einheimischen – und alle tragen brav Masken und halten Abstand. Der Urlaub im Camper zu zweit in einem Land in dem man keinen kennt und dessen Sprache man nicht spricht ist eigentlich bereits Isolation pur. Ganz im Sinne von Hr. Söder und Dr. Drosten – halt nur ohne schlechte Laune und Netflix-Serien bis spät in die Nacht.

Und habe ich Bedenken? (mein Mann kennt sowas ja nicht): ja, klar. Aber der Wunsch, etwas zu erleben, siegt. Und fühle ich mich egoistisch, nach dem Motto, wenn das jeder machen würde, was dann? Nur ein bißchen: wer hat denn im November und Dezember bitte frei und ist so ungebunden wir wir: so gut wie niemand. Wir waren in den Monaten zuvor quasi im privaten Lockdown mit Homeoffice und Kontakten nur zu einer handvoll Freunden. Jetzt ist auch mal gut mit Abwarten und Teetrinken!

Die Vorbereitungen gehen los

Wir haben großes Glück. Seit einigen Monaten ist klar, dass wir für 6 Monate die Welt bereisen werden. Im November geht es los. Gedanklich waren wir zwar bereits in Süd- und Mittelamerika, Hawai und Samoa, haben uns jetzt aber für Südostasien und Ozeanien als Reiseziele entschieden. Weniger ist mehr und zu viel Fliegen in diesen Zeiten doof.

Der Flug nach Bangkok ist herausgesucht aber noch nicht nicht gebucht. Termine für die Beantragung eines neuen Reisepasses und des internationalen Führescheins sind gemacht. Und vor allem: Geld ist gespart. Ob es ausreicht, werden wir sehen.

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