Bei Chrischis Eltern, Peter und Renate, haben wir uns erst einmal erholt. Chrischi hatte diesen Klumpfuss und ich meine Erkältung. Da ich niemanden anstecken wollte, habe ich etwas Abstand gehalten. Renate und Peters größtes Hobby ist ihr Garten. Anbei ein paar Impressionen
Wir haben fast jeden Tag einen kleinen Spaziergang gemacht, damit Chrischi wieder seinen Fuß trainieren konnte. Und wir hatten zahlreiche „dates“ ausgemacht. Zum Treffen mit Olli, Heike, Trixi und Pit bin ich krankheitsbedingt nicht mitgegangen. Das war sehr schade. Chrischi ist mit dem Bus abends dort hingefahren und hat dann gleich vor Ort im Camper übernachtet. Sehr praktisch.
Wenige Tage später waren wir bei Frank und Ela eingeladen. Ich war dieses Mal mit von der Partie und konnte das Racelette genießen. Gen Abend wurde aber der Husten schlimmer und das ging – vor allem mir – sehr auf die Nerven. Daher haben wir den Trip zu Heike und Kaspar am Folgetag absagen müssen. Das tat mir sehr leid und ich hoffe, dass wir auf dem Rückweg an Zürich vorbeifahren können. Das Pickerl für die Schweiz haben wir auf jeden Fall (von einem Vormieter des Campers).
Am Donnerstag mussten wir alle fit sein, denn da ging es nach Ribeauvillé, einem kleinen Ort im Elsass. Anläßlich Peters 70. Geburtstag hatten wir den Kurzausflug mit einem Besuch in einem tollen Restaurant geschenkt. Dies galt es einzulösen. Sowohl das Hotel aber vor allem das Restaurant waren super. Die Auberge du Parc Carola (https://auberge-parc-carola.com/de/) ist im Guide Michelin geführt – allerdings ohne Stern 🙂 Das Essen war eine Wucht.
Ribeauvillé ist ein hübscher, sehr touristischer Ort mit vielen ansäßigen Winzern. Es wird vor allem Riesling angebaut. Unser Lieblingswinzer Bott Frères (https://www.bott-freres.fr/de/) hat drei Grand Crus im Angebot. Vom Ort kann man die drei Burgen sehen, die alle auf demselben Berg thronen.
Am nächsten Morgen haben wir nach dem Frühstück einen kleinen Rundgang in Ribeauvillé gemacht und sind dann über Bergheim nach Colmar gefahren. Colmar ist auch sehr schön und immer wieder einen Besuch wert.
Heute ist der 1. Oktober und wir sind wieder unterwegs!!! Endlich. Die letzten Wochen waren sehr zäh und es war länger nicht klar, was wir überhaupt machen können.
Unser Sabbatical hat eigentlich am 1. September angefangen. Leider hat sich Chrischi zwei Wochen vorher die Achillessehne gerissen und war dazu verdammt, seinen Fuß hochzulegen und den wunderschönen VacoPed-Stiefel zu tragen. Ich habe meinen 40-Stunden Projektmanagement Job mit einem gefühlten 30 Stunden Krankenschwester Job getauscht. Da dem Chrischi langweilig war, hatten wir ständig Besuch. Das war auch schön – so viel Pfand habe ich aber zuvor in meinem Leben noch nicht entsorgt. Teiweise kam Besuch mit vollen Bierkästen an. Derzeit stehen noch 5 Kästen in der Wohnung, drei davon leer. Unser Grill hatte auch viel zu tun und der Patient hatte vielen Ideen, was man sonst noch so schönes Essen könnte 🙂 Mein Tag endete in der Regel mit Spülmaschine anstellen und fing damit an, den Rest der Töpfe vom Vortag zu spülen.
Wir hingen also fest. Neben dem netten Besuch war das Wetter in München auch ein gutes Trostpflaster. Der Sabbatical-Gott ist ein „mieser Verräter“ aber der Wetter-Gott hatte ein Nachsehen. Ab September hatten wir eigentlich nur gutes Wetter.
Am 28.9. haben wir dann unser Wohnmobil abgeholt. Wir haben dieses Mal keinen VW Bus sondern die nächst größere Variante gewählt. Es ist ein Fiat Ducato und wir haben Stehhöhe und – der eigentlich Grund für die Wahl – ein festes Bett im Heck. Chrischi muss den Stiefel nicht mehr tragen aber nach 6 Wochen Fußhochlegen geht nicht mehr viel. An ein Hochklettern in das Bett im Aufstelldach ist nicht zu denken. Wir haben auch ein Mini-Bad mit Chemieklo. Das bedeutet, ich muss nachts nicht mehr raus. Auch schön 🙂 Den Camper haben wir bis zum 18. November gemietet – derzeit ist der Plan wieder nach Griechenland zu fahren. Dieses Mal wollen wir aber die Landroute über Kroatien und Montenegro wählen. Aber im Grund möchten wir der Sonne hinterher fahren, daher kann es auch sein, dass wir ganz woanders landen.
Unser erster Stopp war Darmsheim, ein Stadtteil von Sindelfingen bei Mattze, Chrischis altem Freund aus Studientagen in Ulm. Mattze hat uns einen schönen Stellplatz in Laufdistanz von seiner Wohnung gezeigt, direkt am kleinen Flüsschen Schwippe. Dann haben wir uns bekochen lassen. Leider habe ich etwas geschwächelt und daher war der Abend kürzer als gedacht. Irgendwie habe ich mir eine Erkältung eingfangen, mit Kopfschmerzen, Halsschmerzen und etwas Unwohlsein. Super, dachte ich, das fehlt noch zu unserem Glück. Ein Corona-Schnelltest wurde gemacht – glücklicherweise negativ.
Chrischi geht weiterhin an Krücken und ist jenseits von mobil, daher passte der Plan für die nächsten Tage gut. Der zweite Stopp war bereits in der Schweiz, im grenznahen Klingnau. Hier wohnen Chrischis alter Bayern-Fan-Freund MacBach 🙂 – also Michel – mit seiner Familie. Wir wurden herzlich empfangen und auch hier konnten wir uns an den gedeckten Tisch setzen. So kann es weitergehen 🙂 Ich kannte ja keinen – und natürlich wurden viele alte Geschichten aufgetischt. Nach anfänglichen kleineren Verständnisproblemen meinerseits mit dem Allemannisch/Schwyzerdütsch-Mix wurde es im Laufe es Abends immer besser. Die drei Kinder waren nach kurzer Zeit Chrischi-Fans und wir freuen uns auf einen Gegenbesuch in München.
Jetzt sind wir in Tiengen bei Chrischis Eltern angekommen. Hier bleiben wir die nächsten Tage und schlafen im Gästezimmer mit eigenem Bad. Da Chrischi mehrmals schon umgeknickt ist, ist sein linker Fuß richtig fies angeschwollen. Jetzt ist wieder Fußhochlegen angesagt und ich kuriere meine Halsschmerzen aus. Derzeit liegen wir auf der Terasse und lassen es uns gut gehen. Später wollen wir noch mit Renate und Peter grillen.
Die Nacht am Strand von Messini verlief sehr ruhig. Sehr lange konnten wir jedoch nicht schlafen. Wir haben auf ein Frühstück zunächst verzichtet und sind dann bald losgefahren. Das Wetter war super und wir wollten zur Ochsenbauchbucht. Die Bucht, die wie der griechische Buchstabe Omega ausschaut, liegt etwas nördlich von Pylos und ist eine der schönsten Buchten der Gegend. Es gibt feinen Sandstrand und für Familien mit kleinen Kindern ist der Strand ideal, weil das Wasser sehr flach ist. An der Bucht angekommen haben wir zunächst einmal die Lage gecheckt und dann Tisch und Stühle aus dem Bus geholt und gefrühstückt. Die Eier waren noch am Kochen, da kam ein Polizeiauto vorbei. Neben uns standen dort noch 3 andere Camper. Alle schluckten ein wenig, denn das wilde Campen in Corona-Zeiten ist eigentlich nicht erlaubt. Die Polizei hat aber nur den Strand und die Dünen kontrolliert, den dort ist Campen aus Umweltschutzgründen strengstens verboten. Wir standen aber auf dem Parkplatz vor dem Strand und das war OK. Die Polizisten grüßten freundlich und fuhren wieder davon.
Nach dem Frühstück sind wir zum Strand gegangen und haben in der Bucht gebadet. Am 18. Dezember ist das eine besonders schöne Sache 🙂 Wir wollten auch an der Bucht übernachten aber am Nachmittag kamen noch weitere Camper an und der Platz wurde uns zu voll. Man muss es ja nicht übertreiben. Daher haben wir uns in den Bulli gesetzt und sind zurück nach Finikounda gefahren. Wir hatten am nächsten Tag dort eine Verabredung mit Lampi. Zunächst sind wir zu unserem alten Campingplatz gefahren, aber der hatte mittlerweile geschlossen. Wenige hundert Meter weiter, liegt der Campingplatz Thines. Dieser hat ganzjährig geöffnet. Wir haben dort einen Stellplatz bekommen. Der Platz ist unserer Meinung nicht so schön (kleine Parzellen, den Campingplatz und den Strand trennt eine Straße) aber zu normalen Zeiten gibt es auch ein Restaurant auf dem Platz. In Corona-Zeiten boten sie an zwei Abenden die Woche Take Away an. Das Angebot kam bei den Campern gut an.
Am nächsten Morgen sind wir zu Lampi gefahren. Wir hatten ihm angeboten bei seiner Olivenernte zu helfen und heute war Erntetag. Auf dem Weg dorthin haben wir beim Metzger unseres Vertrauens in Finikounda eine Lamm- und eine Ziegenkeule für Montagvormittag vorbestellt. Lampi hat sieben Olivenbäume auf seinem Grundstück. Neben uns halfen auch Dieter und zwei Griechen, Nikos und Vasillis. Lampi stellte Nikos als seinen Schwiegervater vor. Nikos und Vasillis waren die Chefs bei der Ernte und gaben die Anweisungen und den Takt vor. Es wurden zunächst große Netze unter den jeweiligen Bäumen ausgelegt. Dann ist Nikos mit einer Motorsäge in den Baum geklettert und hat die großen Äste abgesägt. Diese wurden dann zu einer Maschine geschleppt die zwei sich drehende Walzen hatte. Über die wurden die Äste gehalten und die Oliven wurden so von den Ästen geschüttelt. Kleinere Äste oder Oliven die noch am Baum hingen, wurden manuell mit Forken abgeschüttelt. In Summe konnte Lampi 20 Säcke Oliven ernten. Das war eine gute Ernte.
Vorher…Nachher…
Wir waren kurz am Campingplatz Duschen und sind dann zurückgekehrt. Schließlich war Samstag und es kam Fußball. Am Sonntag haben wir uns ordentlich ausgeruht 🙂
Unsere Fähre von Patras nach Ancona war für den 22.12. gebucht. Wegen der verschärften Regeln und der Ansteckungsgefahr in Deutschland war klar, dass wir nicht mit unseren Familien feiern sondern die Feiertage in München verbringen würden. Die Peloponnes stehen nicht auf der Liste der Risikogebiete aber trotzdem wären wir zu viele Leute, wenn wir gemeinsam gefeiert hätten. Wir sind am 21.12. am Morgen aus Finikounda losgefahren und haben unser Fleisch abgeholt und noch einen Kaffee bei der netten Bäckerei im Ort getrunken. Lampi erzählte, dass unser Metzger zwischendurch von der Polizei verhaftet wurde. Ihm wird der Anbau und Handel mit Haschisch vorgeworfen. Daher war der immer so entspannt :-). Wir sind dann ganz gemütlich nach Patras gefahren, mit mehreren Stopps an Stränden. Wir haben uns auch Elia Beach angesehen. Das ist ein beliebter Ort für wildes Campen auf den Peloponnes. In Patras haben wir den Fähranleger gesucht und gefunden und sind dann wieder aus der Stadt herausgefahren um einen letzten Stellplatz zu suchen und ein letztes Mal im Camper zu kochen. Ein Auto hielt und der Fahrer gestikulierte, wir sollten zu ihm kommen. Ich dachte schon, er würde wollen, dass wir nicht hier stehen aber nein: er reichte uns frisch geernete Mandarinen aus dem Auto und schenkte sie uns. Ach, die netten Griechen!!!!
Am nächsten Tag haben wir in Patras noch mal eingekauft und waren dann schon kurz nach Mittag am Fähranleger und haben eingecheckt. Chrischi war noch mal beim Friseur und ansonsten haben wir die Zeit totgeschlagen bis wir auf die Fähre konnten. Am Fährhafen von Patras versuchen viele Flüchtlinge als blinde Passagiere mit auf die Fähren zu gelangen. Das traurige Spektakel passiert dort direkt vor den Augen aller. Die Polizei sucht mit Hunden nach den Männern, die versuchen sich in den LKWs zu verstecken. Ständig rennt irgendjemand vor der Polizei davon über den Parkplatz oder klettert über Zäune. Auch unser Camper wurde penibelst untersucht und kontrolliert, dass kein ungebetener Gast im Schrank oder oder unter dem Sitz sich versteckt hat.
Wir hatten auf der Fähre Cruise Olympia die Luxussuite gebucht: mit Doppelbett und eigenem Bad. Schließlich dauert die Fährüberfahrt 24 h und es war abzusehen, dass wir davon die meiste Zeit in der Kabine verbringen werden. Die Überfahrt war sehr ruhig, es waren in Summe vier PKWs auf dem Autodeck und natürlich noch ein paar LKWs. Das Schiff wirkte wie ausgestorben.
Ankunft in Ancona war am frühen Abend des 23. Dezember. Wir haben dann am Abend noch ein wenig Strecke gemacht und haben auf der Höhe von Trento auf einem Autobahnparkplatz übernachtet. Es war etwas frisch und da wir direkt neben der Autobahn standen auch echt ungemütlich. Um 5 Uhr hatten wir die Schnautze voll sind wir dann weitergefahren und waren um halb 9 bereits in München.
Das war es – Schluß die Maus – unser Urlaub ist jetzt erst einmal vorbei und wir melden uns ab. Hoffentlich geht es im Herbst wieder los und dann führe ich diesen Blog gerne weiter. Das Schreiben hat viel Spaß gemacht. Danke an die vielen Leser für Euer Interesse und für all die netten Kommentare!!!
Am nächsten Abend kam Lefteris zum Essen und es gab Lasagne mit Salat und Ciabatta. Es war super lecker und Lefteris kam ins Reden. Draußen regnete es und wir saßen „muckelig“ am warmen Kaminfeuer. Lefteris ist definitiv ein Schöngeist und auch die griechische Tragödie gehört zu einem seiner Interessensgebiete. Als Kinder haben er und sein Bruder an einigen Theaterstücken mitgewirkt. Sein Bruder ist dann auch Regisseur geworden, Lefteris selber musste Geld verdienen, er ist wohl der Ältere. Als es danach aussah, dass er uns den Inhalt jedes Theaterstückes erzählen wollte, bei dem er mitgespielt hat, haben wir ihm sanft zu verstehen gegeben, dass wir müde sind. Der Abend war sehr sehr unterhaltsam und schön. Am nächsten Tag haben wir noch einmal zusammen gegessen. Es gab die berühmten „Chorta“. Ich glaube, dass heißt nur „Kraut“ und meint eßbares Wildgemüse. Das „Chorta“ was uns Lefteris servierte waren Löwenzahnblätter, auf dem eigenen Grundstück gesammelt, dann gekocht und mit Olivenöl und Zitronensaft als Salat verzehrt. Dazu gab es frittierte Kartoffeln.
Schließlich war es Zeit für uns aufzubrechen. Wir haben uns herzlich von Lefteris und Dali verabschiedet und haben uns zum östlichsten Zipfel der Peloponnes aufgemacht: die Halbinsel Methana. Dort hatten wir uns zwei Wanderungen herausgesucht. Die erste war ein Spaziergang durch einen Pininenwald mit Blick auf das Meer. Der Wald war wirklich schön, die Tour an sich jedoch etwas langweilig: nur Staubstraße. Danach sind wir auf einen der erloschen Vulkane von Methana gestiegen. Laut Wanderführer gibt es davon mehr als 30 Stück. Die Tour war zwar kurz aber wieder sehr nach unserem Geschmack. Der Krater lag in einer Höhle und man konnte dort ein kurzes Stück hineinkraxeln.
Wieder am Auto angekommen, haben wir beschlossen die Halbinsel komplett zu umrunden. Einen Platz für die Nacht haben wir dann am Rande von Methana, der gleichnamigen Hauptstadt der Region, direkt am Strand gefunden. Da war es schön ruhig und am nächsten Morgen gab es einen super Sonnenaufgang.
Früh am nächsten Morgen ging es weiter zur Lousios-Schlucht bei Dimitsana. Wir haben uns mit der Fahrt Zeit gelassen und wollten an diesem Tag nur ankommen. Die Wanderung war für den Folgetag geplant. Auf dem Weg Richtung Schlucht sind wir durch eine Bergregion gefahren. Es wurde teilweise richtig frisch: unter 10 Grad. Kurz vor dem Ziel sind wir noch durch das malerische Bergdorf Stemnitsa gekommen, dann ging es 10 km steil in Serpentinen hinunter zum Eingang der Schlucht. Dort liegt auch das antike Gortys und wir haben neben den Ruinen am späten Nachmittag gegrillt.
Es kam an diesem Abend und auch am nächsten Morgen kein Mensch mehr zu unserem Stellplatz. Gleich unterhalb einer Steinbrücke, die man zum antiken Gortys und auch zur Schlucht überqueren muss, fließt der Lousios. Der Legende nach hat sich Zeus nach seiner Geburt im Lousios gewaschen. Etwas später am Tag tat Chrischi ihm gleich und das ist keine Legende 🙂 @Benjamin: dieses Mal habe ich auf ein verstörendes Foto verzichtet 🙂
Die Sonne schien bereits, erreichte aber noch nicht den Talgrund, als wie los stiefelten. Wir waren noch nicht weit gekommen da flogen zwei Kampfflieger im Tiefflugmanöver über die Schlucht. Auf dem Foto sieht das Flugzeug zwar aus wie Fliegenschiss aber wir brauchten etwas Zeit, die Kamera zu zücken und da waren die Flugzeuge schon fast nicht mehr zu sehen. Das war ein Lärm in der Schlucht!
Es ging zunächst bergauf bis zum Kloster Prodromou. Die Klosterzellen hängen wie Schwalbennester am Fels. Auch hier fragt man sich, warum die Mönche sich diesen Ort ausgesucht haben? Aber hier waren die Mönche vor Angriffen sicher. Zumindest bis man Kampfflieger erfand … Neben der spektakulären Bauweise der Klosterzellen bleibt uns noch ein sehr giftiger Hund in Erinnerung, der glücklicherweise eingezäunt war. Der war fast wahnsinnig vor Wut und versuchte mehrmals über den Zaun zu springen. Revierverhalten in allen Ehren, aber das war echt übertrieben. Es kam dann auch ein Mönch aus dem Kloster, wahrscheinlich um zu überprüfen, dass der Hund uns nicht zerfleischt.
Vom Kloster Prodromou ging es wieder talwärts zum Lousios, den man über eine Brücke überqueren musste. Schließlich ging es wieder hoch zum nächsten Kloster: das Kloster Filosofou. Das gibt es gleich zweimal: als verlassene, verfallene Ruine aus dem 10. Jahrhundert und das heutige Kloster. Laut Wanderführer wird man häufig am Kloster mit Wasser und Süßigkeiten empfangen. Jedoch nicht in Corona-Zeiten. Die Klosterkapelle war sehr kunstvoll verziert und wirklich beeindruckend. Danach ging es den selben Weg wieder retour.
Gegen 13 Uhr waren wir wieder am Auto. Die Sonne schien warm vom Himmel und wir hatten schon lange keinen Strand mehr gesehen. Daher es zog uns wieder ans Meer. Der Weg führte uns nach Kalamata und wir wollten uns das Stadtzentrum ansehen. Dort angekommen haben wir uns aber umentschieden. Was will man in einer Stadt in der alles geschlossen ist? Die Park4Night-App empfahl einen Stellplatz am Strand von Messini – nur wenige Kilometer weiter. Auf dem Weg dorthin haben wir uns take away jeder ein halbes Hendl geholt und am Strand gegessen. Und schon wieder war ein schöner Tag um.
Noch am Tag der Wanderung zum Kloster Agia Irini hatten wir ein weiteres Airbnb auf dem „Daumen“ der Peloponnes gebucht. Wir gesagt, es musste langsam mal wieder eine Dusche her. Wir haben jedoch nach Preis und Ausstattung gebucht und nicht darauf geachtet, wie weit das Ferienhaus entfernt lag. Das hieß, nach unserem Besuch von Monemvasia am Morgen sind wir in das Auto gestiegen und 4h bis nach Kranidi gefahren.
Dort haben wir uns auf dem Parkplatz des kleinen Einkaufszentrums „Jumbo“ mit unserem Vermieter Lefteris getroffen. Lefteris ist 65 und spricht weder Deutsch noch Englisch. Wir unterhalten uns mit ihm über eine Sprach-App, was manchmal sehr lustig ist.
Der östliche Teil der Peloponnes, die Argolis, ist seit Jahrtausenden besiedelt. Kaum eine andere Region der Erde kann auf eine so lange kontinuierliche Geschichte zurückblicken.
Das Ferienhaus ist super süß und mit einem sehr gemütlichen Bett – nach wochenlangen Schlafen im Bulli eine Wohltat – und einem Kamin ausgestattet. Wer braucht Fernsehen wenn man einen Kamin hat? 🙂
Neben Lefteris ist auch Dali unser neuer Nachbar auf Zeit. Er ist sieben Monate alt und noch sehr verspielt.
Lefteris hat auf seinem Grundstück auch ein kleines Museum für Buchdruck. Er hat die Maschinen teilweise von seinem Vater übernommen, der eine Druckerei besaß, als auch selber erworben. Weiterhin malt er auch. Das Besondere an seinen Bildern ist, dass er sie mit Druckerfarbe malt, die wohl deutlich schwerer zu verarbeiten ist als Öl- oder Acrylfarbe. Er hat uns seine Schätze gezeigt und während der Besichtigung haben wir verabredet am nächsten Tag gemeinsam zu Grillen und er würde mit uns richtige, griechische Gyros-Pitas zubereiten.
Gesagt, getan. Wir haben auch Salate und Fleisch beigesteuert und am Ende hatten wir Essen für 10 Leute auf dem Tisch. Das Bier schmeckte an dem Nachmittag besonders gut und am Ende war Lefteris in Tanzlaune und zeigte uns die ersten Tanzschritte vom Sirtaki. Der Chrischi hat sich als besonders geschickt erwiesen: der neue Alexis Sorbas 🙂
Nach dem Festessen sind wir in Lefteris Auto gestiegen und er hat uns ein paar schöne Buchten in der Gegend gezeigt. Tatsächlich ist dieser Teil der Peloponnes von der Küstenlinie anders als die drei Finger und eine schöne Bucht folgt der nächsten. Diese Abgeschiedenheit und die Nähe zu Athen haben dazu geführt, dass hier der Grund und Boden am teuersten in ganz Griechenland ist. Wir sind bei unserer Rundfahrt an Anwesen vorbeigekommen, da waren die Mauern an der Straße mehrere Kilometer lang! Schließlich sind wir nach Porto Heli gekommen. Dort hat uns Lefteris auf einen Cappuccino und ein Stück griechisches Weihnachtsgebäck eingeladen und wir sind damit an eine weitere schöne Bucht gefahren und haben uns dort hingesetzt. Mittlerweile war es schon ganz dunkel. Dann ging es wieder nach Hause.
Am nächsten Morgen sind wir mit dem Bulli zu einer kleinen Wanderung in Nähe aufgebrochen: zur Franchthi-Höhle. An einer schönen Bucht ging es los. Das Besondere der Höhle sind die prähistorischen Funde, die dort bei Grabungen gemacht wurden. Es wurde u.a. ein Skelett eines ca. 25 jährigen Mannes gefunden. Das Skelett ist über 30.000 Jahre alt. Danach sind wir einfach ein wenig durch die Gegend gefahren. Aber leider macht unser Navi keinen Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Straßen und so fanden wir uns bald in einer Sackgasse wieder. Den Weg versperrte ein eindrucksvolles Tor mit Pförtner-Gebäude. Also ging es denselben Weg wieder zurück.
Am Abend gab es Rest vom Vortag am flackernden Kamin. Heute haben wir Lefteris zum Essen eingeladen. Da wir einen Backofen haben wird das ausgenutzt. Es gibt Lasagne und ich versuche mich an selbst gemachten Ciabatta. Während ich den Blog schreibe geht der Teig (hoffentlich …).
Der im letzten Beitrag erwähnte Stellplatz bei Mistras war super ruhig und wir haben dort eine gute Nacht verbracht. Es zog zwar ein Gewitter über uns hinweg aber ich bin ja jede Nacht ohnehin mit Ohrstöpsel ausgerüstet und habe nicht viel davon mitbekommen.
Nach Frühstück und Spülen sind wir dann zum Eingang zur Langadiotissa-Schlucht gefahren. Der war nur wenige Kilometer von unserem Stellplatz entfernt. Die Dauer der Tour war mit 3h angegeben. Gerade als wir einen Parkplatz gefunden hatten, fuhren 2 Polizeiautos an uns vorbei. Aber wieder einmal hat sich keiner für uns interessiert. Wir sind dann losgelaufen und die Schlucht war so schön wie beschrieben. An einigen Stellen war es etwas ausgesetzt. Gleich zu Beginn kommt man an einer Kapelle in einer Höhle vorbei. In der Schlucht sah man, dass auch in Griechenland Herbst/Winter ist. Hier wuchsen mehr Laubbäume und die hatten alle schöne, herbstlich verfärbte Blätter. Am Ende der Schlucht ging es auf der anderen Seite einen Forstweg wieder zurück – und wir kamen an unserem nächtlichen Stellplatz vorbei. Wir hätten gar keinen Meter fahren müssen 🙂 Wir sind so Orientierungsfüchse! Verlaufen haben wir uns aber dieses Mal nicht.
Es war dann früher Nachmittag und nach einer kurzen Besprechung sind wir auf den dritten Finger der Peloponnes gefahren: Parnon. Der Parnon ist ein ca. 100 km langer und 45 km breiter Gebirgszug. Wir sind die Westseite heruntergefahren und wollten eigentlich uns einen Stellplatz an der Küste suchen und den Sonnenuntergang genießen. Unser Park4Night App bot aber nicht viele Stellplätze an. In einem Ort hielt uns ein älterer Mann mit auffälliger Irokesen-Frisur an. Als wir das Fenster herunterließen rief er: „München Hauptbahnhof. Endstation. Bitte alle aussteigen!“ 🙂 Der Mann konnte gut Deutsch, war aber kein Fan vom Münchner Hauptbahnhof bei Nacht. Verständlich, da läuft schon sehr komischen Volk herum. Es war aber so windig an der Westküste, dass es uns zu ungemütlich wurde. Wir haben uns dann noch einmal auf den Weg gemacht, über den Gebirgszug gen Ostküste und Monemvasia. Irgendwo an der Straße, bereits mit Blick auf das Meer haben wir dann gehalten.
In der Nacht hat es erneut geregnet aber am Morgen war das Wetter wieder schön. Wir sind an die Südspitze des Parnon gefahren. Dort befindet sich ein ausgedehntes Naturschutzgebiet und ein „Geopark“. Wir hatten uns eine Tour zu einem alten Kloster direkt am Kap Maleas herausgesucht. Der Name des Klosters lautet Agia Irini – also wohl die heilige Irene :-). Es ging direkt an der Steilküste, zunächst einer „Staubstraße“ (so nennt es der Rother Wanderführer gerne) und schließlich einem kleinen Pfad entlang. Man musste schon schauen, wo man hintrat. Rechts ging es steil gen Meer hinab.
Das Kloster sei mittlerweile unbewohnt – hieß es im Wanderführer. Angekommen begrüßte uns jedoch eine junge Frau, die dort wohnt und im Auftrag der Kirche die Gebäude und den Grund dort im Schuß hält. Es gab zwei Kirchen, die ältere stammte aus dem 15. Jahrhundert. Was die Mönche wohl bewogen haben mag an diesem entlegenen Zipfel ein Kloster zur gründen? Ruhe zum Beten und Meditieren hatten sie auf jeden Fall.
Während wir unsere Pause machten, trafen wir auf eine weitere Wanderin: Steffi aus Lenggries. Steffi ist mit ihrem Camper allein auf den Peloponnes unterwegs. Sie arbeitet zu Hause in der Gastro in einer Hütte am Brauneck und ist in Kurzarbeit. Da hat sie sich Anfang November gedacht, nix wie weg und fährt derzeit auch die Halbinsel ab. Wir haben unsere Kontaktdaten ausgetauscht, vielleicht treffen wir sie ja noch einmal bis zur Abreise.
Am Wanderparkplatz lag der schon erwähnte Geopark. Es gibt hier einen versteinerten Wald, in diesem Fall sind noch versteinerte Baumstämme von Palmen zu sehen. Auf einer Infotafel wurde auf 3 weitere versteinerte Wälder auf der Erde verwiesen: Es gibt noch einen in England, in Bulgarien und in Australien! Den letzteren habe ich 2006 mit Heike gesehen. Der in Australien war auch ein wenig beeindruckender, es gab einfach mehr versteinerte Stämme. Laut Infotafel ist nicht bekannt, warum die Wälder überhaupt versteinern konnten.
Es war schon 16 Uhr und wir mussten los um einen Stellplatz noch im Hellen zu finden. Ein paar Kilometer vor Monemvasia haben wir einen Platz direkt am Strand gefunden. Ich muss zugeben, wir waren etwas erledigt und hatten keine Lust groß aufzukochen. So gab es Nudeln mit Pesto und wir lagen schon vor 8 in der Koje. Mit dem Sonnenaufgang bin ich kurz schwimmen gegangen – so langsam musste auch mal wieder eine Dusche her!
Monemvasia ist eine mittelalterliche Stadt, die auf einer Felseninsel liegt und wahrscheinlich lange dadurch einen Dornröschenschlaf hatte. Mittlerweile gibt es einen Damm vom Festland und es wurde ganz viel restauriert und der Ort ist nun eine Touristenattraktion. Auch die alten Stadttore sind erhalten und die sind so klein, dass kein Fahrzeug durchpasst. Die Straßen in Monemvasia sind auch nicht für Autos gemacht 🙂 Daher werden jegliche Güter mit Mulis oder Lasteneseln hinein- oder heraustransportiert. Wir sind ca. eine Stunde durch die alten Gassen gelaufen. Es gab nur ein paar Baustellen, ansonsten war alles zu. Normalerweise haben hier viele kleine Geschäfte und natürlich Tavernen auf aber im Dezember und erst recht mit Lockdown ist Monemvasia eine Geisterstadt – aber eine sehr beeindruckende.
Die nächsten 3 Nächte haben wir uns in einem Airbnb in Varnvaka eingemietet. Das Wetter war schlecht vorhergesagt mit viel Regen und Gewitter und tatsächlich traf das auch zu. Unser kleines Ferienhaus lag am Berghang in einem kleinen Weiler (Dorf wäre schon zu übertrieben). Um Varnvaka herum gab es NICHTS. Die nächste Einkaufsmöglichkeit lag 20 km entfernt. Aber das machte ja nix, es regnete ohnehin und wir waren nur mal mit dem Auto unterwegs um unsere Lebensmittelvorräte aufzufrischen. Das Ferienhaus selber war ein alter Turm, der laut Beschreibung bei Airbnb früher als Waffenlager von Piraten genutzt wurde. Der Turm war sehr dunkel (im Sommer bestimmt dadurch angenehm kühl) und hatte zwei Ebenen. In der oberen Ebene war das Schlafzimmer – nur durch eine Stiege zu erreichen. Auf dem Turm selber gab es eine Dachterrasse mit super Blick. Wir haben sie aber nur einmal nutzen können.
Als wir ankamen war das Wetter noch schön und wir haben eine Ladung Wäsche gewaschen. Da die Waschmaschine keinen Strom hatte kam unsere Kabeltrommel zum Einsatz und das Kabel wurde über den Hof verlegt. Eine Wäscheleine und Glubberl haben wir auch im Sortiment, daher flatterte bald die nasse, saubere Wäsche im Wind. Ansonsten haben wir zwei Tage Netflix geschaut 🙂 Für 2 Tage war das auch in Ordnung. Mir kam der Gedanke, dass wir zu Hause in München wahrscheinlich 2 Monate nur Netflix geschaut hätten. Das wäre gruselig gewesen.
Am Samstag war das Wetter wieder viel besser und wir sind wieder in den Bulli gestiegen. Nicht weit vom Ferienhaus entfernt liegt das Kap Tigani. Wir haben eine kleine Wanderung auf die Landzunge gemacht. Früher stand hier mal eine Festung oder Burg. Jetzt sind nur noch ein paar Ruinen zu sehen. Ich konnte Chrischi gerade noch davon abhalten, in einer unzugänglichen Höhle nach einem Piratenschatz zu suchen und es ging auf dem selben Weg wieder retour.
Es war nun kurz nach Mittag und unser Weg führte uns südwärts. Ziel war das Kap Tenaro, einer der südlichsten Punkte des europäischen Festlandes (Gibraltar zählt nicht). Anscheinend liegen selbst Algier und Tunis nördlicher. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch ein paar schöne Aussichten und kleine Stopps in Dörfern am Weg. Grundsätzlich ist die Landschaft sehr karg und es wohnt hier kein Mensch. Es gibt zwar einige Ferienhäuser aber die meisten waren unbewohnt.
In der Nähe vom Kap Tenaro lag unser Platz für die Nacht. Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft kam ein weiterer Camper angefahren. Wir kamen sofort mit „Hannover“ ins Gespräch und schließlich haben wir Bier/Wein und Essen geteilt und gemeinsam gegessen. Man ist am abgelegensten Zipfel der Peloponnes aber Kontakt findet man hier immer. „Hannover“ hatte auch interessante Reisegeschichten zu erzählen. Am spannendsten fand ich jedoch den sehr persönlichen Bericht, dass die beiden ursprünglich aus Erfurt stammen und im November `89 in den Westen kamen – über die Prager Botschaft. Deutsche Geschichte live erzählt.
Am nächsten Morgen sind wir – sobald die Sonne über die Hügel schien – am kleinen Strand gleich bei unserem Stellplatz schwimmen gegangen. Dann haben wir den Rucksack mit Brot, Käse, Wurst und Wasser gepackt und sind zum Leuchtturm vom Kap Tenaro gelaufen. Laut Beschreibung sollte dieser unbemannt sein. Das ist aber – zumindest derzeit – nicht wahr. Wir haben den Leuchtturmwärter mit eigenen Augen gesehen. Während wir dort frühstückten öffnete er die Fensterläden vom Erdgeschoss und ging um den Turm. Das Gelände um den Turm ist Militärgebiet. Wahrscheinlich ist der arme Mann Soldat und muss immer sicherstellen, dass die Türken nicht zu nah kommen. Ein sehr einsames und sehr windiges Leben. Denn am Kap Tenaro zieht es wie Hechtsuppe.
Gleich bei unserem Stellplatz ist übrigens der Legende nach ein Eingang in den Hades. Die griechische Mythologie begegnet einem auf Schritt und Tritt. Meistens in Form des Bieres „Mythos“ aber auch durch die bekannten Städtenamen wie z.B. Sparta. Da sind wir heute durchgefahren, war aber unspektakulär. In Glythia, das früher Sparta als Hafen diente, gibt es eine kleine Halbinsel auf der sich Helena und Paris versteckt haben als sie gemeinsam getürmt sind. Auch Troja ist nicht wirklich weit weg und liegt in der heutigen Türkei, gleich nördlich von Lesbos.
Heute ist Nikolaus-Tag. Wir stehen ca. 10 km von Sparta bei Mistras in den Bergen. Unser Stellplatz ist eine „unnamed road“. Wir sind etwas weiter als der beschriebene Platz gefahren. Links der Schotterstraße geht es steil bergab – das wäre was für meine Mama. Da ein Wendemanöver für einige Zeit nicht möglich war, musste Chrischi die Strecke wieder rückwärts zurückfahren. Aber kein Problem, schließlich war er bei der Fahrschule Rebmann 🙂
Am letzten Abend auf dem Campingplatz war allgemeines Umparken angesagt. Es kündigte sich eine Schlechtwetterfront an und die vordersten Plätze drohten bei hohem Wellengang überspült zu werden. Außerdem wurden mehr Windstärken erwartet, so dass wir mit dem Aufstelldach besser mit dem Heck in den Wind stehen sollten. Wir wollten ohnehin für den nächsten Morgen alles in den Bulli packen und sind danach ein paar Plätze nach hinten gerückt. Poolposition für die Abfahrt.
Zunächst war jedoch Gulaschessen bei Lampi angesagt. Es war schließlich wieder Samstag und das heißt Bundesliga-Time. Da auch Dieter eingeladen war und er mehr Senioriät als wir bei Lampi hat, wurde jedoch Dortmund gegen Köln gezeigt. Chrischi hatte die leise Hoffnung, dass Dortmund die Kölner schon in der ersten Halbzeit abschießen und Dieter entnervt zustimmen würde, dass wir in der zweiten Halbzeit Bayern schauen. Aber nix da. Köln hat am Ende sogar gewonnen, daher wurde das Spiel zu Ende geschaut. Wir haben uns herzlich bei Lampi und Dieter verabschiedet. Das war schon lustig mit den beiden. Dieter hat uns noch auf seine zwei Websites aufmerksam gemacht: http://peloponnes-urlaub.de bzw. http://Finikounda-online.de
Wir hatten mit „Bern“ verabredet, dass wir sie in ihrem Bergdorf besuchen kommen. Da wir aber sehr früh vom Campingplatz losgefahren sind, haben wir zunächst noch eine alte Festungsanlage in Methoni besichtigt.
Danach sind wir noch etwas weiter gen Norden gefahren, an Pylos vorbei. Dort wurde in unserem Wanderbuch eine kleine Runde an einer Lagune beschrieben. Mit etwas Glück kann man dort Flamingos und irgendeine seltene Chamäleonart sehen. Flamingos haben wir tatsächlich sehen können, und einige Kite-Surfer, die den starken Wind ausgenutzt haben.
Am frühen Nachmittag sind wir bei „Bern“ angekommen. Kaum aus dem Bulli gestiegen kam die Sonne wieder raus und wir haben von dort einen weiteren schönen Sonnenuntergang sehen können. Am Abend haben wir Zicklein gegrillt, das gab es mit leckeren Ofengemüse. Wir haben dann noch eine weitere Nacht bei „Bern“ verbracht und hatten einen lustigen Tag mit Uno-Spielen auf der Terasse mit Blick auf‘s Meer.
Wir sind am Montag dann auf den mittleren Finger der Peloponnes gefahren. Die Mani sind landschaftlich sehr schön, mit hohen Bergen und vielen schönen Natursteinhäusern. Anscheinend gab es hier noch Piraten bis ins 20. Jahrhundert da die Gegend so unzugänglich ist.
Kalamata haben wir links liegen lassen und kurz darauf änderte sich die Landschaft. Die beherrschenden Olivenplantagen in Messinien gibt es hier nicht, dagegen viel mehr Brachland. In Kardamyli haben wir Stopp gemacht und eine kleine Wanderung gestartet. Der Ort – insbesondere der historische Teil – ist wirklich sehr hübsch. Es ging hoch zur Agia Sofia, einer alten Kirche. Und danach haben wir uns natürlich wieder verlaufen und es ging wieder durch Gestrüpp etc. Kommt Euch das bekannt vor? 🙂 Abgesehen davon, war die Wanderung super.
Nicht weit von Kardamyli entfernt lag unser Platz für die Nacht (gefunden in der Park4Night-App). Der Stehplatz war super ruhig in einem Olivenhain und nur einen kurzen Marsch von einem kleinen Strand entfernt. Dort haben wir uns den Wanderstaub in den Wellen abgespült. Dann wurde – selbstverständlich – der Grill angeschmissen: Souflaki-Spieße mit Tomaten-Orzo. Abgerundet wurde der Abend mit einem kleinen Lagerfeuer. Herrlich, so kann es weitergehen.
Einer meiner Vorsätze für die Reise lautete: jeden Tag ein wenig Bewegung. Das habe ich etwas schleifen lassen. Am Dienstag war das Wetter am Morgen jedoch so herrlich, dass mir keine Ausreden einfielen. So bin ich früh am Morgen die ganze Bucht abgelaufen. Das Licht der aufgehende Sonne war toll. Hier ein Grund, warum Bewegung angesagt ist. Grillen bei Lampi:
Wieder zurück kamen „Bern“ mit dem Vorschlag, Fisch am Hafen zu kaufen und am Abend gemeinsam zu grillen. Gesagt getan. Wir haben uns auf die Räder geschwungen und sind zum Hafen geradelt. In der Ferne sahen wir auch ein Fischerboot, was sich dem Hafen näherte. Das wollten wir abpassen. Das Boot war schon fast da als ein Mann, den Susanne kannte, auf sein Boot kletterte: der Bruder von Kostas. Er fischt auch nebenher. Da haben wir dann einfach ihm 4 kleine Doraden abgekauft. Ich befürchte, im Ionischen Meer hat kaum ein Fisch die Gelegenheit richtig groß zu werden…. Wir haben dann die Fische gemeinsam ausgenommen und eine Garnele gab es als Zugabe noch oben drauf. Quasi der Gruß aus der Küche.
Das Essen war auch das Abschiedsessen von „Bern“. Am nächsten Morgen haben sie ihren organgefarbenen Range Rover gepackt und sind in ein ca. 15 km entfertntes Bergdorf umgezogen. Ihre Schweizer Nachbarn haben dort ein Ferienhaus und „Bern“ können dort die nächsten Tage Haus-Sitting machen. Das bedeutet, sie sind nicht wirklich weg und wir werden uns definitiv noch einmal sehen.
Damit keiner denkt, wir liegen hier den ganzen Tag nur auf der faulen Haut, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass auch hier täglich die Hausarbeit auf einen wartet. Kaffee kochen mit dem Campingkocher dauert auch eine Weile, da zunächst der Kaffee und dann die Milch heiß gemacht werden muss. Auch muss natürlich nach all den Festmahlen auch mal gespült werden. Aber unter diesen Bedingungen geht die Arbeit leicht von der Hand.
Wir sind seit dem 6. November auf diesem Campingplatz und haben einige Leute Kommen und Gehen sehen. Noch vor einer Woche haben wir uns gewundert, dass man es manch einen von diesem schönen Campingplatz weg wieder zurück nach Deutschland getrieben hat, ins graue Novemberwetter. Aber mittlerweile brauchen wir auch dringend eine Änderung. Natürlich wollen wir noch nicht zurück nach Deutschland aber nur hier auf dem Platz möchten wir auch nicht bleiben. Die griechische Regierung hat den Lockdown zunächst einmal bis zum 7. Dezember verlängert aber das ist uns jetzt egal. Wir haben beschlossen, uns am Sonntag auf den Weg zu machen. Als erstes werden wir „Bern“ im Bergdorf besuchen und dort das angesagte schlechte Wetter aussitzen. Und dann sehen wir uns die Halbinsel Peloponnes an und bleiben auch mal wild stehen. Es gibt aber auch noch weitere Campingplätze die geöffnet sind, da werden wir dann auch noch mal vorbeischauen, um mal zu duschen und Wäsche zu waschen.
Da wir nun entschieden haben uns weiter zu bewegen, haben wir gestern schon mal ein wenig Freiheit geschnuppert und einen Ausflug nach Messini unternommen. Der westliche Finger der Peloponnes, auf dem wir uns befinden, heißt Messinien und es gibt eine archäologische Ausgrabungsstätte der alten Hauptstadt Messini. Diese wurde 369 vor Christus gegründet. Von uns aus gesehen, war es ca. 1,5 h Fahrtzeit, mit einigen Fotopausen und dem Besuch eines Wochenmarktes auf dem Weg. Die Ausgrabungsstätte war natürlich geschlossen, wir haben ja Lockdown. Aber wir konnten vom nächsten Dorf, das auf dem Hügel oberhalb liegt, dennoch ein paar Fotos der Anlage machen. Es gibt ein Stadion, ein Theater, mehrere Tempel und diverse weitere Gebäude. Eine richtig große Anlage. Schade, dass wir nicht näher heran konnten.
Auf dem Rückweg sind wir an einem Schild „Wasserfall“ vorbeigefahren und haben spontan entschlossen, uns den mal anzuschauen.
Am Abend haben wir mit unseren neuen Nachbarn – auch aus Berlin – gegrillt und später haben wir ein kleines Lagerfeuer gemacht. Es wird nämlich schon ganz schon frisch wenn die Sonne untergeht. Die neuen „Berliner“ wollen in Griechenland überwintern und haben sich drei Jahre Zeit genommen. Sie möchten bis nach Südostasien fahren. In Berlin wurde die Wohnung aufgegeben und alles verkauft. Franzi arbeitet als Programmiererin und kann immer mal wieder was von unterwegs tun und Niko hilft aus wo er kann, z.B. Kostas bei der Olivenernte. Was Camping und große Reisen angeht, sind wir hier die blutigen Anfänger. Und dabei haben wir uns doch so verwegen gefühlt, als wir Deutschland vor vier Wochen verlassen haben und dachten, wir sind die größten Abenteurer der Welt. Von wegen 🙂
Nach unserer Wanderung war erst einmal Entspannung angesagt. Man glaubt gar nicht, wie schnell die Zeit herumgeht, wenn man einfach nur auf‘s Meer schaut, dem Rauschen der Wellen lauscht und sonst nichts tut. 🙂 Schwups ist der Tag schon wieder um.
Die letzten Tage kam unser kleiner Weber Holzkohlegrill intensiv zum Einsatz. Der Metzger in Finikounda winkt immer schon ganz freundlich wenn wir nur an seinem Laden vorbei radeln. Wir haben uns schon fast durch sein gesamtes Sortiment gegessen: Lamm, Ziege, Rinderfilet, Hähnchenspieße, Souflaki…. Alles in tipptopp Qualität und sehr preiswert. Es fehlt noch Hackfleisch aber wir liebäugeln schon mit einer Burger-Essen in den nächsten Tagen.
Am Freitag waren „Bern“ bei uns zum Grillen. Es gab in zweierlei Marinaden eingelegte Souflaki-Spieße mit griechischem Salat und Ingwer-Reis. Sehr lecker.
Samstag war Fußball bei Lampi angesagt. Wegen der Zeitverschiebung war hier Anpfiff erst um 16:30 Uhr. Pünktlich eine Stunde vorher sind wir mit zwei Packungen Mythos-Bier bei Lampi aufgeschlagen. Etwas später stießen noch Dieter – ein Freund von Lampi aus Köln – und ein albanischer Kollege dazu. Zum Vorglühen gab es Austria-Pop zu hören. Seit dem habe ich ständig „Der Kaffee ist fertig“ von Peter Cornelius als Ohrwurm im Kopf. Furchtbar 🙂 Das Spiel war sehr kurzweilig und das Ergebnis für Werder gut. Meine mit viel Fussballverstand gesegnete Schwester hatte tatsächlich auch ein 1:1 getippt. Für Mittwoch sind wir erneut mit Lampi verabredet. Wir haben den Deal: wir kochen für ihn und dafür darf der Chrischi dann später mit ihm Champions-League Bayern gegen Salzburg schauen. Ich werde mich dann aber vorher vom Acker machen.
Die Pläne für nächstes Jahr werden auch immer konkreter – zumindest was den Zeitplan angehet. Chrischi hat eine Fortbildung zum Fachwirt für Logistik und Güterverkehr bewilligt bekommen. Die startet Mitte Januar und geht bis Mitte August. Dann ist erst einmal Pause bis dann im März 2022 die schriftliche Prüfung stattfindet. Leider ist die nur einmal im Jahr. Wir würden dann nach dem Lehrgang das Sabbatical Teil 2 starten und dann 4-5 Monate noch einmal wegfahren. Wohin wir fahren, ist jedoch noch nicht klar. Entweder verfolgen wir unsere ursprünglichen Pläne mit Südost-Asien und Neuseeland/Australien oder wir suchen uns eine Alternative. Abhängig ist das natürlich weiterhin von den Corona-Beschränkungen, die bestimmt im nächsten Herbst noch nicht abgeschafft sind.
Gestern haben wir eine kleine Radtour gemacht und waren – wie jeden Tag – kurz einkaufen.
Am Nachmittag wurde noch einmal mit „Bern“ gegrillt. Auf Schweizerdeutsch ist der Grill-Meister der „Grillator“. Chrischi hat sich der Aufgabe angenommen und seinen Job sehr gut gemacht. Gestern gab es Zicklein und Lamm mit Kartoffelstampf und gegrilltem Gemüse. Wir schmausen schon sehr.
Roger hat übrigens mit seinem tollen Schweizer Werkzeug meinen Teleskopstock wieder repariert. Danke noch einmal.