iPhone Safari

Ich habe die Fahrt nach Hause von Granada bisher allen lieben Lesern vorenthalten. Viel ist dazu auch nicht zu berichten. Was wir jedoch festhalten müssen ist, dass wir Frankreich – als Land der Camper und Winzer – gerne wieder besuchen möchten. Einen letzten Eindruck hatten wir in Béziere. Hier haben wir wieder bei einem Winzer übernachtet – für lau. Es gab am frühen Abend eine Weinverkostung und wir haben zwei oder drei Flaschen erstanden. Ein sehr fairer Deal und win-win wie nur was. 10 Minuten zu Fuß von unserem Stellplatz konnte man die 9 Schleusen vom Canal du Midi besichtigen. Das war quasi noch das Bonbon auf dem Wein 🙂

Dann ging es aber weiter gen Norden und weiter in die Kälte. Die Temperaturen fielen konstant. Wir haben noch einmal einen kleinen Abstecher nach Tiengen gemacht. Gerne wären wir auch nach Männedorf gefahren, aber leider ging sich das terminlich nicht aus und wir hatten auch für die Schweiz eindeutig zu viel Wein geladen ….

Wir waren eine Woche zu Hause in München, haben unsere Sachen verräumt und dann gleich wieder gepackt für unser nächstes Abenteuer: Namibia. Zwischendurch haben wir noch Freunde getroffen, eine kulturelle Veranstaltung lieber gemieden und ein negatives Resultat beim PCR-Test erhalten. Das war wichtig, sonst hätten wir die Einreise nach Namibia vergessen können.

Aber so konnten wir am 23. November am frühen Abend über Frankfurt nach Windhoek fliegen. Corona-seitig das riskanteste Unterfangen seit langen, mit so vielen Menschen so lange in einem „Zimmer“. Der Flieger war glücklicherweise nicht voll besetzt und es gab Maskenpflicht. Beim Abendessen und Frühstück war man davon befreit – alle gleichzeitig. Ich bin mir nicht sicher, ob das so sinnvoll ist aber bisher geht es uns noch gut.

Wir sind um 9 Uhr Ortszeit in Windhoek gelandet. Schnell konnten wir feststellen, das Tempo in Namibia ist ein anderes. Ich komme sehr gut damit klar, der Chrischi kämpft ein bisschen 🙂 Heute waren wir einkaufen und der Mann vor uns an der Kasse hat die Hälfte seines Einkaufwagens (vorwiegend Weihnachtsgeschenke) wieder aussortiert als er den Preis von der Kassierin erfuhr. Und das in aller Seelenruhe. Chrischi wäre fast durchgedreht – ich fand es eher unterhaltsam.

Unsere Unterkunft in Windhoek war sehr schön, das Vondelhof Guesthouse. Das liegt sehr zentral. Wir sind um 12 Uhr dort angekommen. Zuvor am Flughafen haben wir den Mietwagen abgeholt, eine SIM-Karte erstanden und die ersten Namibia Dollar gezogen. Die Fahrt in die Stadt dauerte ca. 40 Minuten und verlief problemlos. Natürlich mussten wir uns auf den Linksverkehr erst einstellen.

Wir haben am Pool des Guesthouses gechillt und dann Marianne getroffen, eine nette Mitarbeierin vom örtlichen Reiseveranstalter. Sie hat uns die Reiseroute noch mal erklärt, uns auf Highlights hingewiesen und betont, wo man unbedingt noch mal Tanken sollte. Am Abend hatten wir einen Tisch in Joe`s Beerbar reserviert. Da wir uns noch ein wenig Windhoek anschauen wollten, kam Marianne auf die Idee, dass wir uns von Joe’s Beerbar Shuttle an der Christuskirche in Windhoek abholen lassen könnten. Das haben wir auch gemacht. Der Fahrer kam 20 Minuten zu spät und Chrischi war entsprechen gut drauf. Die Beerbar war aber schon einen Besuch wert. Wir haben das Namib Trio gegegessen: Steaks von Zebra, Kudu und Springbock. Gleich neben uns stieg eine Weihnachtsfeier. In Namibia sind die Corona-Inzidenzen gerade niedrig. Da geht so was – mit Weihnachtsmann-Mütze und Eierlaufen. Die spinnen, die Namibier. Ansonsten hat uns Windhoek nicht so begeistert.

Heute haben wir zeitig gefrühstückt. Aufgrund der Wärme muss man eigentlich gar nichts essen. Dann waren wir in einer Mall in Windhoek und haben uns mit einigen Dingen eingedeckt: Coolbox für Getränke im Auto, Proviant, Wasser, Stromadapter, hiesigen Insektenschutz – was man halt so braucht.

Dann ging es los Richtung Süden aus Windhoek raus gen Mariental. Die wenigen Ortschaften, durch die wir gekommen sind werden in unserem Namibia Reiseführer nur ganz kurz oder überhaubt nicht erwähnt. Zu recht. In Kalkrand sind wir von der B1 – die Straße die von Nord nach Süd (und umgekehrt) durch Namibia führt, abgebogen und mitten in die Kalahari gefahren. Von dort noch ca. 60 – 70 Kilometer entfernt, liegt das Intu Africa Game Reservat (ca. 10.000 ha groß).

Hier wurden wir mit einem Waschlappen zum Frischmachen und – so dachten wir – einem Glas Sekt empfangen. Der Sekt entpuppte sich als Apfelsaft aber die Geste war dennoch eine Wucht. Wir haben Bungalow Nr. 8 in der Zebra Lodge bezogen. Es gibt noch zwei weitere Lodges auf dem Areal – wegen Corona und Nebensaison sind diese aber derzeit nicht in Betrieb.

In der Zebra Lodge fühlen wir uns super wohl, die Leute sind – wie bisher alle in Namibia – super freundlich. Wir waren auch hier im Pool schwimmen und haben ca. 2 Stunden relaxt. Dann ging es auf unsere erste Safari. Unser Guide Andreas und wir zwei sind dann mit einem 4×4 durch das Reservat gefahren. Wir haben bereits hier einige Tiere aus nächster Nähe sehen können. Der Springbock ist die häufigste Tierart, die einem hier über den Weg springt. Im Folgenden eine Auswahl unserer Tierfotos mit iPhone (Zebra, Eland, Kudu, Steenbock, Gnu, Oryx, Strauß, Giraffe, Webervögel, Löwe, Termiten). 2 der big five waren also schon dabei. Die Löwin ist allerdings extra eingezäunt, uralt (19 Jahre – bei einer Lebenserwartung von 20) und sah leider aus als ob sie den Morgen nicht mehr erlebt.

Webervogelnest
Straußeneier

Dann gab es noch einen Sundowner Drink an Andreas Bush Bar. Zurück an der Lodge gab es Dinner und nun liegen wir hundemüde im Bett und schreibe den Blog nur, damit ich nichts vergesse. Der Chrischi schnorchelt schon neben mir ….

Der Weg ist das Ziel

Den letzten Abend auf dem Campingplatz bei Tarifa krönte ein wunderbarer Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen sind wir erst einmal nach Tarifa gefahren, haben die Altstadt durch die Puerta de Jerez betreten und sind ein wenig umhergeschlendert. Wir haben uns die Kirche angeschaut und während des Frühstücks auf einer Parkbank mit dem Geburtstagskind Sven telefoniert.

Es ging weiter Richtung Gibraltar. Man sah den Felsen schon von der Ferne und zunächst wollten wir auch über die Grenze in die britischen Gefilde. Tatsächlich soll – neben Wehranlagen und einem Tunnelsystem aus dem 2. Weltkrieg – das „Sehenswerte“ sein, wenn man plötzlich einem Bobby oder einer roten Telefonzelle gegenübersteht und eigentlich Mitten in Spanien ist. Mit dem Auto die Grenze zu passieren ist keine gute Idee. Brexit und Covid machen die Sache nicht gerade einfach. Normalerweise parkt man auf einem Touristenparkplatz in La Linea und läuft die letzten Meter. Wir haben kurz überlegt dies zu tun aber wollten dann doch lieber weiterfahren. Daher gibt es an dieser Stelle nur Fotos vom Felsen und einer kurzen Luftvolleyball-Aktion von mir.

Vorzug vor Gibraltar hat das Städtchen Ronda von uns bekommen. Und ich glaube, wir lagen da goldrichtig. Ronda liegt in der Provinz Malaga, ca. 1 h Fahrtzeit von der Küste etwas im Landesinneren, das heißt es ging bergauf und bergab und wir hatten einige schöne Ausblicke von der Strecke. Ronda ist auch maurisch geprägt und es gibt noch einige Sehenswürdigkeiten aus dieser Zeit (z.B. die Puente Viejo, die alte Brücke). Die Hauptattraktion ist jedoch die neue Brücke, die Puente Nuevo, die aus dem 18. Jahrhundert stammt. Beide brücken verbinden die Stadtteile die auf beiden Seiten der Schlucht „Tajo de Ronda“ liegen.

Wir waren an einem Montag in Ronda – das ist nie eine gute Idee – viele Restaurants haben am Montag Ruhetag und daher konnten wir unsere Favoriten nicht besuchen. Wir haben daher in einer Cafeteria direkt an der Brücke etwas vorgeglüht. Dann haben wir uns zu Fuß auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Wir haben dann eine Bar (Restaurant Casa Ortega) gefunden, die auch früher am Abend warme Gerichte serviert hat und waren sehr zufrieden. Übernachtet haben wir wild auf einem der Aussichtsparkplätze in der Nähe von Ronda.

Am nächsten Tag waren wir am Abend bei Olivier und Nieves in Mijas eingeladen (öh – eigentlich haben wir uns selber eingeladen). Daher sind wir von Ronda wieder an die Küste mit einem kleinen Abstecher nach Canete la Real. Von weitem haben wir eine kleine Burg gesehen. Wir haben einige Anstrengungen auf uns genommen diese dann auch zu finden, aber sie ist nur an Wochenenden für Besucher geöffnet. Kann man nix machen.

Daher ging es zurück Richtung Marbella und dann nach Mijas. Der Abend bei Oli4 (so schreibt Chrischi ihn in seinen Kontakten 🙂 ), Nieves und ihrer Tochter Blanca war sehr schön und sehr, sehr entspannt. Wir saßen bis kurz vor 2 Uhr und haben geratscht und lecker gegessen. Das Bett im Camper wurde kurzerhand getauscht gegen das Bett von Pablo, dem Sohn der gerade eine Ausbildung in Gelsenkirchen macht. Danke von dieser Stelle aus. Am nächsten Morgen kamen wir nur schwer aus den Federn – wir sind in den letzten Wochen eher mit dem Sonnenuntergang schlafen gegangen 🙂 Wir waren im Ortszentrum von Mijas gemeinsam frühstücken und dann ging es für uns weiter und für die anderen zur Arbeit.

Nieves hatte uns am Vorabend einen Kontakt zu ihrer Freundin Patricia in Granada vermittelt. Patricia macht Führungen durch die Alhambra und wurde uns warm ans Herz gelegt. Eine private Führung zu zweit ist etwas kostspieliger als eine in der Gruppe aber es hat sich jeder Cent gelohnt. Aber dazu gleich mehr. Zunächst sind wir von Mijas weiter gen Osten der Küste entlang gefahren. In Torrox haben wir einen Stellplatz auf einem exponierten Hügel gefunden. Hinter uns standen zwar eine Reihe Sende- und Strommasten aber der Blick vom Hügel gen Küste war eine Wucht. Die Fahrt über Stock und Stein auf das Plateau war aber leicht nervenaufreibend …. Es war der ruhigste Stellplatz der Reise. Wir haben dort noch gefrühstückt und uns dann langsam in Richtung Granada auf den Weg gemacht.

Zwischendurch waren wir noch mal baden. Die Wassertemperaturen waren doch recht frisch.

Für die Alhambra lohnte sich eigentlich ein eigener Blog-Eintrag. Da ich aber nicht weiß, wie unser WLAN-Status die nächste Tagen aussehen wird, wird dieser Eintrag einfach entsprechend länger.

Wir haben uns mit Patricia um 15 Uhr am Eingang getroffen. Sie hatte netterweise die Eintrittskarten bereits besorgt und wir mussten uns um nichts weiter kümmern.

Die Tour durch die Alhambra läßt sich in 4 Teile gliedern: (1) Die Festung, der älteste Teil der Alhambra, (2) die Medina, die Stadt (3) die Paläste der Nasriden, hier haben die Sultane und ihre Familien gewohnt und schließlich (4) der Sommerpalast Generalife. Letzterer liegt außerhalb der Mauern und ist über einen Gang mit der Alhambra verbunden.

Es haben 22 Generationen hier gelebt und über die Zeit die Alhambra weiter ausgebaut. Den Grundstein legte Mohammed I. im 13. Jahrhundert und erbaute die Festung. Damals haben die Spanier nach und nach die Mauren aus Spanien verdrängt und Granada und die Alhambra waren deren letzte Bastion. Yusuf I und Mohammed V haben die Alhambra am meisten weiterentwickelt. Der letzte Sultan, der am Ende gezwungen war zu kapitulieren, war Boabdil im Jahre 1492.

Nach der Kapitulation hat König Karl I ein Renaissance-Schloss auf dem Areal errichten lassen, im Laufe der Zeit wurde einiges an der Alhambra umgebaut. Glücklicherweise blieben aber die Paläste und die Mauern bestehen.

Patricia hat alles toll erklärt und hatte auf jede Frage eine Antwort. Ihr Einkommen ist durch die Pandemie stark gefährdet und ich drücke die Daumen, dass es im nächsten Jahr wieder normal weitergehen kann mit ihren Führungen.

Nur Durst ist schlimmer als Heimweh

Spanien war schon ganz nah und war unser Ziel für den nächsten Tag. Wir hatten uns in der Nähe von Orio eine spanische SIM-Karte für unseren WLAN-Router gekauft. Nach wenigen GB Nutzung gab diese in Portugal jedoch ihren Geist auf – vermutlich gab es eine Roaming-Begrenzung für das europäische Ausland im Kleingedruckten. Kaum in Spanien angekommen, funzt die Karte wieder.

Aber ich greife vor. Wir haben nämlich auf portugiesischer Seite noch eine wunderschöne kleine Kirche besichtigt. Diese liegt im Ort Almancil und heißt Igreja Sao Lourenco. Im Innenraum ist sie mit lauter Azulejos-Kacheln geschmückt. Die Kacheln sind so beeindruckend, dass man den prächtig vergoldeten Altar gar nicht mehr richtig wahrnimmt.

Faro haben wir rechts liegen lassen. Ab Faro erstreckt sich das Naturschutzgebiet Ria Formosa, ein Paradies für viele Wasservögel, die sich in dem von den Gezeiten geprägten Ökosystem tummeln. Das wollten wir uns etwas näher ansehen. Wir sind daher kurz hinter Faro in die Stadt Olhao gefahren, die von der Lagunenlandschaft geprägt ist. Es werden Bootsfahrten angeboten aber diese dauern alle etwas länger und wir wollten ja noch weiter nach Spanien. Olhao ludt dazu ein, dort zu Essen, es gab viele kleine, nett aussehende Restaurants. Leider hatten wir überhaupt kein Hunger. Der Fischerort Fuseta war unser letzter Halt in Portugal. Dann ging es über den Rio Guardiana nach Spanien.

In Isla Christina – wenige Kilometer hinter der portugiesischen Grenze – haben wir am Strand übernachtet. Hier war es noch einmal deutlich milder als in Portugal. Daher gab es Frühstück am Strand.

Auf auf spanischer Seite liegt ebenfalls ein großes Naturschutzgebiet an der Küste, der Parque Nacional Coto den Donana. Es gibt keine Straße hindurch, man muss bis Sevilla fahren und dann wieder zurück an die Küste. Es gibt hier in Anadalusien auch viele Weinanbaugebiete – jedoch in erster Line für den Sherry. Durch Jerez de la Frontera – die namensgebende Stadt für den Sherry – sind wir gefahren aber wie immer: kein Parkplatz. Daher war das nächste Ziel Cadiz. Etwas südlich von Cadiz haben wir auf einem Strandparkplatz gegrillt und übernachtet. Es gab einen schönen Sonnenuntergang (Chrischi hat keinen Sonnenbrand 🙂 ).

Am nächsten Morgen haben wir Cadiz Innenstadt mit dem Auto umrundet und ein paar Fotos gemacht.

Dann sind wir weiter nach Jerez de la Frontera gefahren, das wenige Kilometer im Landesinneren liegt. Dort haben wir lecker zu Mittag gegessen (Iberisches Schwein und Oktopus) und haben dann einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt gemacht. Die maurische Festung – das berühmteste Bauwerk der Stadt – war leider wegen Restaurierung geschlossen. In Jerez werden jedes Jahr die Häuser frisch gekalkt.

Derzeit sind wir am Strand von Tarifa. Die erste Nacht haben wir auch auf einem Strandparkplatz übernachtet. Vorher hatten wir zwei Campingplätze besucht aber es war dort so voll, dass die Camper dicht an dicht standen. Darauf hatten wir keine Lust. Und so haben wir das Schild mit dem Camper-Verbot über Nacht ignoriert. Wir haben einen kleinen Spaziergang zum Strand gemacht, ganz ohne Krücken. Marokko ist – an der Meerenge von Gibraltar – zum Greifen nahe. Keine 20 Kilometer trennen hier Europa von Afrika.

Jetzt stehen wir seit 2 Tagen auf einem offiziellen Campingplatz in Tarifa. Der Platz ist zwar auch voll aber die Parzellen sind geräumiger und wir haben unsere Hängematte im Einsatz! Um uns herum sind viele Kitesurfer. Tarifa ist der Hotspot für diesen Sport da es wohl immer windig ist. Um an den Strand zu kommen muss man durch einen Priel durch die Lagune auf eine vorgelagerte Sandbank. Hier ist bei Niedrigwasser Kitesurfer-Alarm. Auf der Sandbank kann man in einer Stunde bis Tarifa laufen.

Die Vorboten Afrikas

In Porto Covo, einem kleinen Fischerdorf an der Alentejo-Küste, haben wir uns die nächsten zwei Tage auf dem Campingplatz Parque de Campismo Costa do Vizir eingerichtet. Kurz vor dem Ort haben wir einen Stopp an der Steilküste eingelegt. Gleich gegenüber war ein Straußengehege. Viele Grüße schon mal an Namibia!!!

Es war Regen vorhergesagt und wir mussten unbedingt vorher Wäsche waschen. Wir haben einen Platz auf dem weitläufigem Areal in einem Pinienwald ausgesucht, Strom angeschlossen und dann glühten auch schon die Waschmaschinen-Trommeln. Ich bin übrigens sehr undemokratisch zum Chemie-WC-Entleerer gewählt worden.

Chrischi wollte seinen Fuß schonen und daher bin ich alleine losgestiefelt. Wir sind beide etwas traurig darüber, dass das Wandern dieses Mal ausfällt. Insbesondere dieser Teil der portugiesischen Küste lädt förmlich dazu ein. Südlich von Porto Covo beginnt der Trilho dos Pescadores (Fischerpfad), der 120 km immer am Atlantik entlang führt. Ich bin ihn nur wenige Kilometer gelaufen, da es auch immer mal wieder regnete und man bei Wind von der Küste gleich von allen Seiten nass wird.

Am Abend sollte es wieder Curry geben. Leider hat sich Chrischi beim Einkauf vertan und es gab nur kondensierte Kokosmilch. Es zeigte sich mal wieder, dass man aus Schei..e kein Gold machen kann. Das Resultat konnte man leider nicht essen – wir haben es wirklich versucht. Dann haben wir auf eine Schnitte Brot zurückgegriffen. Das Restaurant auf dem Campingplatz sah auch gut aus. Dort waren wir dann am Folgeabend. Chrischi hat eine halbe Kuh verputzt. Ich habe die Rote Beete Ravioli gewählt.

Schließlich ging es weiter die Küste hinunter. In Odeceixe haben wir Halt gemacht und spontan zu Mittag gegessen. Es gab Arroz „Meeresfrüchte“ – frisch zubereitet und sehr lecker.

Wir wollten an diesem Abend mal wieder wild stehen und haben die Küste verlassen und sind einige Kilometer ins Landesinnere gefahren und haben einen Abstecher in die Serra de Monchique gemacht. Sponan sind wir einem Schild zu einem See gefolgt. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich um einen Stausee handelte, der zu diesem Zeitpunkt so gut wie leer war. In der Nähe der Staumauer haben wir ein Plätzchen gefunden und dort die Nacht im Regen verbracht.

Nächstes Ziel war Sagres, das südwestlichste Dorf Europas. Alle Kulturen, die hier über die Jahrhunderte gesiedelt haben (u.a. Römer, Araber, Christen), haben dieses Fleckchen – quasi das Ende der bis dahin bekannten Welt – als magischen Ort angesehen. Wir haben die Befestigungsanlage „Fortaleza de Sagres“ besichtigt. Diese wurde im 15. Jahrhunder von Heinrich dem Seefahrer errichtet. Ebenso wie die Vilo do Infante, eine Seefahrerschule, die zu dieser Zeit einzigartig war und die renommiertesten Wissenschaftler und Seefahrexperten beschäftigte.

Wenn man aus Sagres Richtung Osten fährt, kommt man an einem Souvenirladen vorbei, der seine Keramik sehr dekorativ an seine Wände geschraubt hat.

In Salema haben wir auf dem Salema Eco Camp Surf & Nature übernachtet. Der Platz ist eigentlich sehr schön in Terrassen angelegt. An diesem Abend war es aber sehr voll und das ging uns auf die Nerven. Daher haben wir den Platz gleich am nächsten Morgen wieder verlassen. Eher zufällig waren wir dann in Burgau – das ist gleich der nächste Ort. Es gibt dort einen Mini-Hafen und einen kleinen Strand. Kurzentschlossen haben wir unsere Badesachen geschnappt und waren schwimmen. Das Wasser war ziemlich kalt aber es war trotzdem schön. Kurz darauf fing es wieder an zu regnen und wir sind weitergefahren.

Nach einem Abstecher in Carvoeiro – sehr touristisch – sind wir am Nachmittag nach Silves gefahren. Über Silves thront das Castelo Mouro, eine von den Mauren im 9. Jahrhundert gebaute Burg aus dunkelrotem Sandstein. Sowohl die Burg als auch die Kathedrale haben wir mit einem Besuch geehrt.

Übernachtet haben wir in Armacao de Pera auf einem Campingplatz. Der Platz ist echt häßlich – die sanitären Anlagen aber sauber.

Heute ist Mittwoch, der 3. November. Die Sonne ist wieder da und es geht wieder zurück nach Spanien. Andalusien ruft.

Von Porto bis zur Algarve

Unser Weg aus Porto hat uns erst einmal in die „falsche“ Richtung – gen Norden – geführt. Wir wollten uns den Fischereihafen ansehen. Entweder waren wir in der falschen Ecke oder zur falschen Zeit vor Ort – von Fischverkäufern haben wir nichts gesehen. Macht nix. Wir haben in einer kleinen Bar gefrühstückt und dann noch ein paar schöne Fotos gemacht.

Dann ging es weiter nach Aveiro. Aveiro ist eine Lagunenstadt und wird auch als „Portugiesisches Venedig“ beschrieben. Neben dem Wirtschaftszweig Tourismus werden hier Salz gewonnen und Algen als Dünger und für die Kosmetikindustrie gefangen. Hier ein Foto der „Salzfelder“.

Für Fußkranke bietet sich eine Fahrt mit einem der vielen Algenfischerboote (Moliceiro) an, die die drei zentralen Kanäle von Aveiro abfahren. Liebesschlösser sind an den vielen Brücken in Aveiro übrigens verboten, es gibt aber jede Menge Freundschaftsbänder. Aber ohne Freundschaft ja auch keine Liebe – so meinte unserer Skipper sehr weise.

Zum Übernachten haben wir uns ein Plätzchen in Strandnähe gesucht. Wir haben wild gestanden, es gab Spaghetti mit Meeresfrüchten und die Laune war bestens. Das Video ist exklusiv Herrn H. gewidmet.

Etwas weiter südlich von unserem Stellplatz liegt Praia de Mira, ein kleines Küstendorf mit den für die Gegend charakteristischen gestreiften Häuschen. Hier Bilder der kleinen Fischerkapelle Capela Nossa Senhora da Concelcao.

Es ging dann kerzengerade die Küste entlang. Ziel war ein Campingplatz in Sao Martinho do Porto. Der war aber leider geschlossen. Wir haben an der muschelförmigen Bucht zu Mittag gegessen und mit meinem Papa telefoniert, der sich an diesem Tag einer OP unterziehen musste. Gute Besserung noch einmal von dieser Stelle!!!!! Chrischi war wieder guter Dinge, was seinen Fuß anging. Mit Krücke (von der Krankenkasse), Ferseneinlage (von Simon) und Manschette (von Heinzi, der eigentlich nicht Heinzi heißt) gut ausgerüstet, sind wir zum Eingang der Muschelbucht gekraxelt.

Nach dieser aufregenden Mini-Wanderung haben wir Grillgut eingekauft und auf einem Wanderparkplatz in der Nähe von Óbidos gegrillt und übernachtet.

In unserem Reiseführer ist Óbidos als historische, mittelalterliche Kleinstadt beschrieben mit noch intakter Stadtmauer – quasi das Dinkelsbühl von Portugal 🙂 Wir haben einen Spaziergang durch den alten Ortskern gemacht. Sehr hübsch hier.

Dann haben wir Peniche und das Kap Carvoeiro angesteuert. In Peniche werden Surfweltmeisterschaften ausgetragen. Das Kap Carvoeiro ist gesäumt von Steilklippen und bizarren Felsformationen.

Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz von Lourinha. Kurz war die Laune auf dem Tiefpunkt, als klar wurde, dass wir auf dem Stellplatz im Pinienwald keinen WLAN-Empfang hatten. An diesem Abend hat der FC Bayern gespielt…. Glücklicherweise war der Internet-Empfang rund um die Rezeption super und Chrischi hat sich dort auf eine Parkbank zurückgezogen. Ich habe den Porto-Blogbeitrag geschrieben. Vorher hatten wir die schlechteste Pizza überhaupt. Macht alle einen Bogen um telepizza.pt !!!!

Am Donnerstag haben wir einen Abstecher nach Azenhas do Mar gemacht – zum Fotostopp des Küstendorfs mit Atlantikpool. Laut unserem Reiseführer findet man das Bild vom Dorf an den Steilklippen in JEDEM Portugal-Reiseführer.

Lissabon kam immer näher, wir hatten aber beschlossen dort nicht zu bleiben, weil wir beide schon mal dort waren und wir Neues entdecken wollten. Kurz vor Lissabon haben wir noch den westlichsten Punkt Kontinentaleuropas angesteuert: Das Kap da Roca. Durch die Nähe zur Großstadt war ordentlich was los am Kap. Dieser Stopp zählt nicht zu den Highlights, war aber ein MUSS, da wir im Dezember am südlichsten Punkt Kontinentaleuropas waren. Ihr versteht? Schauen wir mal ob wir den nördlichsten und östlichsten Punkt noch schaffen (ich habe keine Ahnung wo die überhaupt liegen, Norwegen ist ein Kandidat für den Norden 🙂 )

Dann rauf auf die Autobahn, an Lissabon vorbei über die Ponte Vasco da Gama (17,3 km lang) mit Ziel Comporta.

Es ging ewig lange durch Korkeichen-Plantagen, das wurde schon langsam zäh. In Comporta haben wir das Landgut Herdade de Comporta besucht und – Überraschung !!!! – Wein gekauft. Man muss ja schließlich vergleichen können. Nach kurzer Weinprobe sind wir die Halbinsel hinauf bis nach Tróia gefahren. Ein Ort für den Jetset – sehr Nobel-Hobel – in der Nebensaison aber total ausgestorben. Die Strände sind bestimmt eine Wucht. Ein kleines Glas Cornichons im örtlichen Supermarkt kostet 4,29 EUR. Soviel dazu (nein, Mama, wir haben nichts gekauft 🙂 ).

Weiter ging es Richtung Melides und Santo André. In Lagoa de Santo André haben wir am Strandparkplatz übernachtet. Am Abend waren wir bei „Chez Daniel“ Essen. Es gab lecker Fisch.

Pech in Porto

In Porto haben wir uns wieder ein kleines Airbnb-Appartement genommen. Es lag in Vila Nova de Gaia, gleich auf der anderen Flussseite mit Blick auf Porto. In Porto kann man sich – normalerweise – alles gut erlaufen. Aber dafür muss man zwei gesunde Füße haben. Wir dachten, eine kleine Wohnung direkt inmitten des Geschehens ist eine gute Idee, dann kann auch Chrischi am Leben in der Stadt teilhaben. Hier der Blick aus unserem Fenster.

Unsere Gastgeberin Manuela hat gleich unterhalb des Appartements in einem kleinen Weinladen gearbeitet und hat uns verraten, dass schräg gegenüber von der Wohnung ein Parkplatz wäre, den wir am Abend ergattern sollten. Der würde nichts kosten und der Camper wäre in Sicht und Laufdistanz. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, sind wir an die Promenade von Gaia. Chrischi war sehr glücklich über den Zustand von seinem Fuß und hat die Krücken gleich mal zu Hause gelassen. Wir haben ein Restaurant an der Promenade gewählt und den Abend dort ausklingen lassen.

Plötzlich gingen im Nachbarhause die Pforten auf und ein paar Mädels trugen ihre Ruderboote zum Fluss. Training ging los.

Dann wollten wir umparken – der Camper stand noch auf einem Bezahlparkplatz ca. 1 km entfernt. Dies hat sich im Nachhinein als Schnapsidee entpuppt. Wir sind den Berg zum Parkplatz hochgelaufen und anscheinend hat Chrischi schon relativ schnell dabei seine Sehne gespürt aber hat den Marsch bis nach oben durchgezogen. Wir haben umgeparkt. Am nächsten Morgen konnte Chrischi jedoch kaum noch auftreten. Wir waren beide sehr besorgt.

Ich war dann alleine in Porto und bin einem Standrundgang gefolgt. Da dachte ich noch, dass wir am nächsten Tag viele der Sehenswürdigkeiten noch einmal gemeinsam ansehen werden und bin überall nicht sehr lange geblieben. Es ging aber ständig auf und ab in Porto und mir war bald klar, das ist nichts für gestresste Sehnen. Ich fand Porto wirklich sehr schön. Hier eine kleine Anekdote insb. für meine Nichte Jonna: J.K. Rowling hat einige Jahre in Porto gelebt und es gibt z. B. eine Buchhandlung, deren Treppe die Vorlage für die große Treppe in Hogwarts gewesen sein soll. Nicht weit entfernt ist das Café in dem sie den ersten Harry Potter Band geschrieben hat. Leider habe ich von beiden Orten kein Foto … (kann man aber googlen 🙂 )

Der Bahnhof von Porto mit wunderschönen Fliesen.

Chrischi hatte inszwischen ein Restaurant für uns gefunden und nach all den Pasta mit Pesto Abenden und weil die Laune gerade am Boden war, haben wir es richtig krachen lassen und waren im Restaurant Pedro Lemos, das einen Michelin Stern vorweisen kann. Ich hatte das vegetarische Menü und wir waren uns beide einig, dass ich die „bessere“ Wahl getroffen habe. Meine Vorspeise war mit Kohlrabi und Apfel, die von Chrischi mit Gurke. Statt Weinbegleitung wurde uns beiden eine Teetasse serviert. In diese hat der Kellner dann aber Gin-Tonic aus einer Kanne kredenzt, passend zu beiden Speisen. Auf der Teetasse stand auch tatsächlich „Hendrick‘s“. Anbei noch ein paar Impressionen aus unseren Menüs.

Am nächsten Morgen ging es etwas besser mit dem Fuß und wir wollten zumindest mit der Seilbahn fahren, die überhalb der Promenade von Gaia schwebt. Doch beim Duschen kam das nächste Unglück. Die Duschtür zerbarst in viele, viele Scherben und der arme Chrischi hat sich den Fuß aufgeschnitten. Was für ein Schreck und Scherbenhaufen!!! Nachdem Chrischi notdürftig versorgt war, habe ich die meisten Scherben weggekehrt und Manuela, unsere Vermieterin, informiert. Danach war an Laufen bei Chrischi nicht mehr zu denken. Das war sehr schade und wir müssen irgendwann mal wiederkommen, damit er auch was von der Stadt sehen kann.

Von Orio bis nach Porto

Ich habe einiges nachzuholen in diesem Blog. Heute ist Freitag, der 22. Oktober und wir sind mittlerweile in Porto eingetroffen. Dazu aber im nächsten Blogbeitrag mehr.

Am 19. Oktober (glaube ich jedenfalls 🙂 ) haben wir den Campingplatz in Orio verlassen und haben etwas Strecke gemacht. Wir sind an diesem Tag in das 400 km entfernte Gijón gefahren. Ab Gijón startet eine Panorama-Route an der Costa Verde, die wir uns herausgesucht haben. Wir haben in Gijón auf einem kostenfreien Wohnmobil-Stellplatz übernachtet über den wir jedoch nicht viel Positives berichten können. Ja, er war strandnah und ja, er bot die meisten Serviceleistungen an, die sich Camper normalerweise so wünschen (Grauwasser, Strom etc.). Wir hatten aber gar keinen Bedarf nach diesen Serviceleistungen und uns war der Stellplatz einfach zu laut (nahe Straße, naher Hafen, und ein Paar das sich bis frühmorgens um 5 Uhr gleich neben unserem Wohnmobil sehr viel zu sagen hatte …). Wir haben Outdoor-Cooking vorgenommen – es gab Spaghetti Bolognese, abgelöscht mit dem leckeren Rotwein von Bertrand … Und das Licht während des Sonnenuntergangs war der Hammer!!!!

Da wir uns nicht wohl gefühlt haben, haben wir am nächsten Morgen gleich die Zelte abgebrochen. Dieses Mal hatten wir kein konkretes Ziel sondern wollten so weit kommen, wie wir Lust hatten zu fahren. Inzwischen hat sich bewährt, so zwischen 16 und 17 Uhr irgendwo anzukommen. Dann ist es noch länger hell und die Stellplätze sind noch nicht belegt. Die Costa Verde hat viel Steilküste und die Fischerdörfer haben sich in den vielen kleinen Buchten angesiedelt. Im Örtchen Luanco haben wir einen Frühstückstop eingelegt.

Dann ging es weiter bis nach Cudillero zum Foto-Stopp. Unsere Route folgt hier übrigens dem Jakobsweg. Die Wanderschilder zum „Camino de Santiago“ sah man alle paar Minuten und auch Pilger haben unseren Weg gekreuzt.

Es war wunderschönes Wetter – um die 27 Grad. Von der Straße aus haben wir einen schönen Strand „Playa de los Molinos de Barcia“ gesehen und haben kurzentschlossen dort Pause gemacht.

Im nächsten größeren Ort Luarca wollten wir den Campingplatz ansteuern, der laut unseren Informationen bis Mitte November geöffnet sein sollte. Aber Pustekuchen, der Platz war bereits geschlossen. Wir wollten nach unserem Strandaufenthalt unbedingt Duschen und es gab keine attraktive Campingplatz-Alternative in der Nähe. Somit haben wir kurzerhand ein Hotel am zentralen Platz von Luarca gefunden und haben für 47 EUR dort übernachtet. Wir wollten dann schön in einem der netten Restaurants am Fluß Essen gehen. Da man hier ja erst später zu Abend ißt, sind wir erst um 19:30 Uhr Uhr mit hängendem Magen losspaziert und waren schnell sehr irritiert. Alles war zu. Leider sind wir in die typische Falle für unflexible Deutsche getappt. Die Restaurants haben von 16 bis teilweise 21 Uhr zu und dann geht es erst weiter. Wir haben aber dennoch was gefunden und waren auch ganz happy mit unserer Menüwahl.

Der Mittwoch war wieder geprägt von Strecke machen und weiteren Camper-Ärger. Mittlerweile war nämlich auch die Wasserpumpe kaputt gegangen. Man hatte uns allerdings schon bei der Camper-Übernahme davor gewarnt und eine Ersatz-Pumpe mitgegeben. Was aber nicht vorhanden war, war ordentliches Werkzeug den Pumpenaustausch auch durchführen zu können. Das hat sich aber erst beim nächsten Stopp in Valdovino herausgestellt. Selbst der „Platzwart“ vom Campingplatz hat mit Werkzeug ausgeholfen, hat aber alles nichts genutzt. Ein Besuch im Baumarkt musste her.

This is the major speaking: Rumänische Schiedsrichter (oder andere Unparteiische aus unterklassigen Ligen) haben bei einem Champions-League-Spiel nichts zu suchen. Zumindest dann nicht, wenn ich auf einem spanischen Campingplatz zur Nachtruhe verpflichtet bin und gleichzeitig Benfica gegen Bayern schauen möchte. Zefix!!!

In Ferrol – wenige Kilometer hinter Valdovino – gab es einen Brico Baumarkt und dort konnten wir alles besorgen. Chrischi hat dann die Reparatur bravorös durchgeführt und nun funktioniert die Pumpe wieder – wir mussten dafür aber unser gesamtes Frischwasser ablassen. Und nun haben wir eine funktionierende Pumpe aber kein Wasser zum Pumpen …. Natürlich sind wir Füchse und hatten uns im Campingplatz in Valdovino noch Wasser in einen Kanister abgefüllt und haben dann erst einmal dieses Wasser verbraucht. Diese ganzen Camper-Geschichten und auch, weil das Wetter nicht so Bombe war, haben uns dann dazu bewogen Santiago de Compostela links liegen zu lassen und bis Vigo durchzufahren. In Vigo dann das nächste bekannte Problem: kein Parkplatz. Wir haben es dann noch mal in Tui versucht, auch da gefiel es uns nicht. Daher haben wir gestern die Grenze nach Portugal überquert und sind bis Vila Praia den Ancora an der Atlantikküste gefahren. Dort schien die Sonne wieder. Zum Essen gab es grünes Curry, direkt am Strand. Was will man mehr?

Grenzgänger

Unser erster Stopp am nächsten Tag war der Strand von Capbreton auf dem ein paar alte deutsche Bunkerruinen (Küstenbatterie) aus dem 2. Weltkrieg stehen. Der Strand hat gute Wellen und somit hat sich auch gleich eine Surfschule angesiedelt. Wir waren am Samstag so gegen 10 Uhr Vormittags an der Bucht und das Treiben war schon recht rege. Den Tipp, hier mal zu halten, hatten wir von meinem Kollegen Jakub, der mit seiner Familie ein Jahr in Bayonne gewohnt hat. Wir standen leider mit dem Camper schlecht und konnten daher nicht sehr lange verweilen.

Danach ging es ins besagte Bayonne. Wir haben einen zentralen Parkplatz gefunden und haben uns gewundert, es war ganz schön was los in der Stadt. Zunächst sind wir zur Kathedrale (La Cathédrale Sainte-Marie, ein UNESCO Weltkulturerbe) gelaufen. Bauzeit vom 12ten bis 16th Jahrhundert. Der gotische Teil kam natürlich erst im 19. Jahrhundert dazu. Es fand gerade ein Gottesdienst statt, daher haben wir nur vom Eingang ein Foto gemacht.

Bayonne hat eine eine schöne Altstadt. Habe ich schon erwähnt, dass die Hölle los war? An Samstagen findet laut Veranstaltungskalender der Marché Montmatre statt, vielleicht war es das, so genau wissen wir das nicht. Jedenfalls waren in den Gassen Tische und Stühle eingedeckt und wir meinten mitzubekommen, dass alles ausreserviert war. Es wäre sehr verlockend gewesen, sich dazuzugesellen aber wir mussten ja noch Autofahren. Daher gab es für uns nur eine kleine Erdbeer-Tarte.

Nicht weit nach Bayonne haben wir die spanische Grenze passiert mit Ziel San Sebastian. Wir haben in der Park4Night App und in unserer neuesten Errungenschaft camping.app.eu (Danke, Svenni für den Tipp) nach Stellplätzen/Campingplätzen mit „ois“ gesucht. Wir mussten Duschen, Wäsche waschen, Grauwasser und Chemieklo entleeren – das volle Programm. Daher haben wir uns für den Campingplatz Camping Orio Kanpina entschieden. Dafür mussten wir zwar eine halbe Stunde weiter als San Sebastian fahren aber der Platz hatte gute Bewertungen – zu recht. Saubere und geräumige Waschräume und Duschen. Was will man mehr? Der Ort Orio ist allerdings keine Reise wert, Ort und Strand werden durch eine Autobahnhochbrücke getrennt. Die Geräusche der Autobahn hört man ständig – aber nicht laut. Der Strand bzw. die Promenade ist aber ganz schön und wir waren Zeuge vom hiesigen Tanzkurz am Samstag mit lateinamerikanischen Rhythmen. Chrischi hat es bereits in den Krücken gejuckt mitzumachen – ich konnte ihn gerade noch zurückhalten. 🙂

Eigentlich war der Plan am Abend Essen zu gehen aber das war nicht so einfach. Neben Fingerfood gab es an der Promenade nichts und daher haben wir dann doch auf den Klassiker Spaghetti/Pesto (wieder einmal) zurückgegriffen.

Am nächsten Morgen sind wir nach San Sebastian gefahren und können bestätigen: eine super schöne Stadt und definiv einen längeren Besuch wert. Der Weg ins Stadtzentrum führte zufälligerweise an der Punto Maria Christina vorbei, die den Fluss Urumea überquert. Das war schon mal imposant.

Geparkt haben wir in der Nähe einer der beiden Stadtstrände von San Sebastian. Die Bucht nennt sich Playa de la Concha (Muschelbucht). Nicht weit entfernt steht das Rathaus, was früher mal ein Casino beherbergt hat. Und auch das Kinderkarussell fehlte nicht, in Bayonne gab es auch eines.

Beim Schlendern durch die Stadt sind wir an der Basilika Santa Maria del Coro vorbeigekommen. Dort gab es gerade ein Konzert und wir konnten noch das wirklich schön vorgetragene „Hallelujah“ von Leonard Cohen genießen, dann war leider Pause.

Nicht weit von der Basilika entfernt war gerade ein Tisch frei in einem kleinen Fischrestaurant. Es gab super leckere Tapas, die im Baskenland Pintxos heißen, in der Auslage und wir konnten einfach nicht widerstehen 🙂 So ganz wissen wir immer noch nicht, was auf dem Tapa mit dem Ei alles drauf war. War aber sehr gut.

Dann sind wir über den „Platz der Verfassung“ gelaufen, der nur durch Torbögen erreichbar ist. Interessant fand ich, dass auf dem Platz früher Stierkämpfe stattfanden und die Bürger sich die Balkone mieten konnten, um sich das Spektakel anzuschauen. Wer in das Bild mit den Kolonnaden zoomt sieht die Nummerierung der Balkone. Wie im Theater …

Natürlich durfte auch die Kathedrale Buen Pastor nicht fehlen bei unserem kleinen Stadtspaziergang.

Fazit: San Sebastian hat uns sehr gefallen. O-Ton Chrischi: „San Sebastian ist keine solche Frauen-Stadt wie Sevilla, hier könnte ich auch mit Martin oder mit dem Achatz her“ – und das, liebe Freunde, das ist quasi gleichbedeutend mit einem Ritterschlag 🙂

Bordeaux und Umgebung

Wir haben uns am nächsten Morgen richtig Zeit gelassen mit unserem Frühstück. Die Nächte sind nämlich schon empfindlich kalt und es braucht ein bisschen, bis die Sonne ihre Kraft am Morgen entfalten kann. So gegen 10 Uhr wird es angenehm, vorher ist es einstellig. Der Weg führte uns gen Küste durch wunderschöne Eichenwälder, die sich mit Weinanbauflächen abwechselten. Gerne mal sind die Straßen schnurgerade und es geht für etliche Kilometer den Hügel hinauf und wieder hinab („Auto-Berg-und-Tal-Bahn“).

Zwischendurch rief uns die Firma Roadsurfer an. Sie hatten einen Reparatur-Termin für den Kühlschrank für Freitag in der Nähe von Bordeaux arrangiert. Chrischi und ich haben kurz überlegt, ob wir den annehmen sollten, den es war Dienstag und es galt drei Tage zu warten. Wir haben dann aber zugesagt. Das Wetter war super und der Strand in Reichweite, da läßt es sich eine Weile aushalten.

Viele Campingplätze haben bereits für die Saison geschlossen. Wir haben einen Platz am Lac de Cazaux et de Sanguinet gefunden (Camping Langeot, geöffnet bis Ende Oktober). Der Platz war jetzt nicht der Knaller aber war OK. Wir sind auch verwöhnt durch Griechenland im letzten Jahr. Es gab jedenfalls Duschen ums Eck vom Stellplatz und das Wassser wurde schnell warm. Der Campingplatz war ca. 10 Gehminuten vom See entfernt und am ersten Abend habe ich den Weg alleine zurückgelegt. Schließlich musste ich meine Jogging-Strecke festlegen. Wir haben dann den Grill angeschmissen und ein paar Würstchen gegrillt. Am nächsten Morgen bin ich dann auch ein paar (wenige) Kilometer gelaufen. Später bin ich mit Chrischi noch einmal zum See und ich war auch noch mal kurz baden. Es war sehr frisch. Chrischis Fuß sieht immer besser aus, durch das Tragen der Manschette wird der Fuß deutlich schlanker.

Nach zwei Nächten auf dem Campingplatz sind wir aufgebrochen und zur Dune du Pilat gefahren. Wir haben uns auf den kostenpflichtigen Parkplatz gestellt (6 EUR für max. 4 Stunden Parken!). Der Vorteil war aber dass wir so Zugang zu der Treppe hatten, die die Düne hinaufführt. So konnte selbst Chrischi mit seinen Krücken hoch hinaus und das tolle Panorama genießen. Laut Reiseführer wandert die Düne pro Jahr 1-5 Meter ins Landesinnere hinein.

Danach sind wir nach Biscarosse Plage gefahren. Dort war ich mit 18 mit meinen beiden Freundinnen Andrea und Barbara im Urlaub – der Urlaub damals war magisch, das erste Mal gänzlich auf sich alleine gestellt und total frei. Dieses Mal war der Besuch ohne diese Magie aber dennoch war der Strand super und wir haben den Wellenreitern ein wenig zugesehen. Schließlich sind wir nach Arcachon aufgebrochen. Auch hier war ich schon mal als Jugendliche. Ich konnte mich jedoch weder and das Stadtbild noch an die Promenade erinnern. Abends wollten wir Fisch essen und hatten ein Restaurant in La Teste direkt am Hafen herausgesucht (Restaurant du Port). Einen kurzen Fußmarsch vom Restaurant entfernt war ein kleiner Parkplatz, wo wir auch die Nacht verbracht haben. Wir haben viel zu viel gegessen – die Fischsuppe, die es als Vorspeise gab, war so mächtig, dass danach nicht mehr viel reinpasste. Sehr schade um den Hauptgang.

Heute sind wir nach Bordeaux gefahren, um den Kühlschrank reparieren zu lassen. Wir wollten zunächst in die Altstadt fahren und dann um 14 Uhr in das Nahe gelegene Örtchen Eysines, wo die Werkstatt lag. Es war zwar absehbar das es schwierig werden würde aber wir hatten dennoch auf Glück gehofft, in Bordeaux Centre ville einen Parkplatz zu finden. Leider ging dieser Plan nicht auf. Daher haben wir leider nicht viel gesehen. Auch der Besuch in der Werkstatt war nicht von Erfolg gekrönt. Der Typ meinte, der Kältefühler sei kaputt aber er könne das nicht reparieren. Jetzt können wir uns eine Kühlbox auf Kosten von Roadsurfer kaufen und die an den 12 Volt-Stecker im Camper laden.

Der Platz für die Nacht war ein gebührenfreier Campingplatz mit super Bio-Toilette bei Seignosse. Morgen geht es nach Spanien. San Sebastian ist das Ziel.

Route du vin

Am Samstag ging es nun wirklich auf Tour. Wir haben Tiengen in Richtung Frankreich verlassen. Bei den Handys haben wir die Mobilen Daten deaktiviert – sicher ist sicher – wir kamen der Schweiz sehr nah und die ist nicht in der EU und daher kostet Roaming ein Vermögen. Wir haben im Navi (TomTom – ziemlich retro) Bordeaux eingegeben und wollten fahren, so lange wir Lust hatten.

Der erste Übernachtungsstopp war dann in Chalon-sur-Saone nach ca. 400 km Strecke. Wir standen direkt am Fluß, neben uns ein deutsches Paar aus dem Elsass. Man kommt wirklich immer ins Gespräch. Der Mann kam aus Waldshut und freute sich, jemanden aus Tiengen zu treffen. Ich bin noch mal kurz in den Supermarkt und Abends gab es ein Festschmaus: Spaghetti mit Bio-Pesto vom FoodHub. Chrischi hat dann auch irgendwann bemerkt, dass wir uns im Burgund befinden und fand nach kurzer Recherche heraus, dass Puligny-Montrachet nur eine knappe halbe Stunde entfernt lag. Dann gab es kein Halten mehr, der Plan für den nächsten Vormittag stand felsenfest.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen haben wir den Plan in die Tat umgesetzt. Man sah dem kleinen Ort Puligny-Montrachet bereits an, dass hier die Geldigen unterwegs sind und ihre Kohle für die Grand Crus aus der Gegend ausgeben. Hübsche Sandstein-Villen mit akkuraten Gärten laden hier zur Weinverkostung und Kauf ein. Wir haben gleich eines der ersten Häuser angesteuert und hatten eine nette Somelière, die uns 5 Weine zur Verkostung brachte. Selbstverständlich haben wir auch Wein gekauft. Der Puligny-Montrachet, den wir jetzt im Camper durch Europa fahren, ist aber „nur“ ein Premier Cru aber – wie unsere Someliére uns erklärte – der Wein wird nur 15 METER vom Grand Cru Wein angebaut. Da konnte selbst Chrischi ein Auge zudrücken 😉

Dann ging es weiter die Route National gen Bordeaux. Es ging einige Kilometer an einem Flüßchen oder Kanal entlang mit etlichen Schleusen. Das Burgund ist meines Wissens auch für Hausboot-Ferien bekannt. An einer der Schleusen habe ich Chrischi eine neue Profi-Frisur verpasst. So langsam wirds: unten 3 mm, dann 6 und oben am Kopf 9 mm. Trés chic. Wir wollten bis ca. 16 Uhr fahren und dann einen Stellplatz suchen. Wir haben auch einen kostenfreien Platz gefunden – man hätte auch alles gehabt von Dusche bis Abwasserentsorgung. Von der Dusche habe ich aber nach kurzer Inspektions Abstand genommen, es war einfach zu dreckig. Aber hey – der Stellplatz war kostenlos, daher ist das keine Beschwerde. Ich hätte ja selber putzen können. Wir waren im einzigen Restaurant am Ort Pizza essen und waren wieder früh im Bett. Da die einzige Bäckerei am Ort Montags geschlossen hatte, sind wir zeitig aufgebrochen

Am Wochenende haben wir festgestellt, dass unser Kühlschrank nicht richtig funktioniert. Egal welche Kühlstufe man einstellt, alles friert durch. Daher haben wir nun Kontakt mit Roadsurfer aufgenommen um den Kühlschrank bestenfalls reparieren zu lassen. Der Service ist wirklich gut, man kümmert sich und ich hoffe, morgen gibt es eine Adresse in oder um Bordeaux zu der wir fahren können.

Heute machen wir Ahnenforschung light. Wir sind in den Ort Sauveterre-de-Guyenne gefahren. Chrischis Großvater väterlicherseits war Franzose und stammte aus dieser Gegend. Als Chrischi noch klein war, ist die ganze Familie hier auch schon mal zu Besuch gewesen. Der Kontakt schlief jedoch ein als der Grandpère gestorben ist. Wir sind durch den Ort gelaufen, alles geschlossen. Montags scheint in Frankreich nicht viel zu laufen. Wir haben dann doch noch einen Bauernhof gefunden, der der Familie zu gehören schien. Da es aber keine Wein-Verkostung oder ähnliches dort gab, sind wir nach kurzem Blick auf den Hof wieder gefahren.

Jetzt stehen wir nur wenige Kilometer weiter auf dem Weingut Grand Hommes in Blasimon. Die Übernachtung ist umsonst und heute Abend gibt es – na was ? – natürlich eine „Degustation“. Ich denke, wir werden es hier sehr nett haben.

Hello everybody! Here is the major speaking: Bertrand, der Winzer, war sehr, sehr nett und hat uns von seinen Weinen probieren lassen. Um Bordeaux werden hauptsächlich Merlot und Cabernet angebaut. Alle seine Weine sind wirklich gut. Herausgestochen hat aber sein „Saint Émilion“. Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, konnten wir dann etwas in unseren Camper verladen. Langsam kommen wir uns vor, wie eine fahrende Weinhandlung… 🌈

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