Wandertag

Vor zwei Tagen hat es geregnet. Das ist in der Schönwetterperiode, in der wir uns befinden, schon eine Meldung wert. Die Windrichtung drehte ganz plötzlich von Nord auf Süd und blies die Regenwolken vom Ionischen Meer aufs Festland. Der Wind frischte auch merklich auf, richtig kalt war es trotzdem nicht. So hatte ich für ein paar Stunden etwas Dänemark-Feeling. Wir haben die Markise vom Bulli ausgefahren, natürlich mit etwas Schräglage, so dass das Regenwasser abfließen konnte. Dann gab es Oktopus-Garnelen-Tomaten-Reis und wir haben uns im Bulli zusammengekuschelt und eine Folge „Damengambit“ auf dem iPhone angeschaut. So läßt es sich auch im Regen gut aushalten. Am nächsten Morgen war das Wetter wieder schön aber wir hatten etwas mehr Brandung als sonst. Daher ging es vor dem Frühstück schnell ins Wasser.

Gefrühstückt haben wir auswärts. Wir sind zur Bäckerei in Finikounda geradelt und haben uns dort mit frischen Croissants, einer belegten Semmel und einen Kaffee für mich eingedeckt und haben am Fischerhafen auf einer Bank alles genüßlich verspeist. Die Fischerboote im Hafen sind echt winzig. Für einen Mann Besatzung gemacht, würde ich schätzen.

Vor ein paar Tagen hatte ich schon mal eine mögliche Wandertour auf komoot.de herausgesucht. Die Tour sollte in Finikounda losgehen und dem Bachlauf folgen, schließlich sollte man den Bach überqueren und auf der anderen Seite wieder zurückgehen. Klang einfach und die Dauer war für 2h angegeben. Als Lockdown-Tour klang das gut.

Wir haben daher unseren Rucksack gepackt, haben einen Wanderstock gegen streunende Hunde mitgenommen und natürlich Wasser und etwas Proviant. An der Hauptstraße ging es links ab, an der Ölmühle vorbei bis zu einem Grundstück mit Truthähnen und Hühnern. Da Chrischi neugierig die riesigen Truthähne beobachtete, kam der Besitzer des Grundstückes zu uns, der gerade die Hühner fütterte: ein Österreicher, der in Finikounda ein Haus gekauft hat und hier seit seiner Rente lebt. Wir kamen ins Gespräch und Lampert (ich glaube, so heißt er) lud uns auf ein Getränk ein. Die Weisheit „kein Bier vor vier“ haben wir ignoriert und uns ein Stiegl reingepfiffen. Es stellte sich heraus, dass Lampi auch Fußballfan ist und über COSMOTE, einem griechischen Anbieter, alle Bundesligaspiele empfangen kann. Was soll ich sagen: Chrischi hat einen neuen besten Freund und am Samstag können wir Bayern gegen Werder bei Lampi schauen.

Ein Stiegl später als geplant haben wir uns dann auf unsere Tour gemacht. Es ging am bereits erwähnten Bach entlang (der aber ziemlich trüb daherkam) und durch zahllose Olivenhaine. Überall blühten Usambaraveilchen am und auf dem Weg. Ca. eine Stunde später, haben wir dann den Bach überquert und mussten einen steilen Anstieg hoch auf einen Hügel. Von dort hatten wir einen super Ausblick. Und auch irgendwo dort sind wir vom rechten Weg abgekommen. Wir konnten uns aber immer am Meer orientieren und sind dann teilweise quer über die Olivenhaine bis zum nächsten kreuzenden Weg gelaufen, dem sind wir dann wieder gefolgt und haben gehofft, er führt uns schon wieder Richtung Finikounda.

An einem entlegenen Gehöft waren am Wegesrand drei Ziegen angebunden. Leider wurden diese auch von drei giftigen Kötern bewacht. Ich glaube nicht, dass das streunende Hunde waren. Trotzdem kam unser Stock zum Einsatz. Ich glaube ohne den Stock wäre das nicht so glimpflich ausgegangen… Chrischi war danach deutlich nervös und schaute sich alle paar Meter um, ob die blöden Hunde uns folgen würden. Taten sie nicht. Aus den Augen aus dem Sinn.

Dann war der Weg plötzlich zu Ende. Eben verlief er noch schön am Bachlauf und dann das! Wir meinten einen Trampelpfad auszumachen aber der führte uns nur durch dorniges Gestrüpp und wir zerkratzen uns die Beine. Also sind wir wieder kehrtmarsch den Weg zurückgegangen und haben geschaut, ob wir eine Abzweigung übersehen hatten. Glücklicherweise gab es eine und die führte uns dann wieder in die gewünschte Richtung.

Wir sind dann noch an einer kleinen, orthodoxen Kirche vorbeikommen. Die Tür war nur einen knappen Meter hoch und man musste sich eher hineinzwängen. Der Innenraum war deutlich prächtiger ausgestattet als es das schlichte Gebäude vermuten ließ: Vergoldete Ikonen und Taufbecken…

Und schließlich – wir hatten schon keine rechte Lust mehr – sind wir auf unseren Pfad vom Hinweg gestoßen. Der Weg führte wieder an Lampis Haus vorbei. Er staunte nicht schlecht: „da seid’s ja scho wieder“. Es gab noch ein Bier und dann sind wir weiter zum Campingplatz. In Summe waren wir 5h unterwegs. Wir haben uns den Wanderschweiß im Meer abgewaschen und Chrischi wurde erneut vom Fisch gebissen. Zum Abendessen gab es Reste und wir sind früh in die Koje gefallen.

Gerne möchten wir noch auf den Reiseblog von „Berlin“ verweisen: https://hierdadort.de Mit weitaus exotischeren Reisezielen als Griechenland.

2 Kommentare zu „Wandertag

  1. Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Ösi her 😂! Danke für die schönen Geschichten und grüßt uns da Meer (Chrischi vielleicht besser vom Strand aus…)

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  2. So tolle Impressionen! Ihr habt wirklich viel Spaß, das sieht man 🙂 Genießt es weiterhin, hier wird jetzt der Teil Lockdown erstmal verlängert… 😦
    Liebe Grüße

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