Geplant war, dass wir genau jetzt in Bangkok am Chao Phraya im befreundeten Restaurant von unserem AirBnB-Host sitzen und uns an dem ersten Essen in Asien und den vielen Eindrücken der thailändischen Hauptstadt berauschen lassen. Zwei Jahre haben wir gespart und uns vorbereitet, Flüge gebucht und Bücher und Artikel gelesen … und dann kam Corona. Zefix.
Im März 2020 waren wir trotz allem noch guter Dinge, im Sommer sickerte dann so langsam die Erkenntnis durch: das wird nix mehr dieses Jahr.
Wir konnten den größten Teil unseres Sabbaticals auf unbestimmte Zeit verschieben – meinem Arbeitgeber sei gedankt für die Flexiblität – aber der November & Dezember, die waren schon fest vorgegeben und es war klar: da haben Chrischi und ich beide frei.
Anfang September 2020 schien es eine gute Idee zu sein, ein Wohnmobil zu mieten und autark der Sonne hinterher und von den Corona-Inzidenzzahlen wegzufahren. Da konnte sich ja noch keiner vorstellen, dass die angekündigte zweite Welle schon im Oktober zuschlägt und das auch noch in Spanien und Frankreich, Ländern im europäischem Süden mit zu der Zeit noch hohen Temperaturen.
Wir sind jetzt trotzdem gefahren, haben uns einem Tag vor dem Lockdown-Light durch die Hintertür heimlich aus Deutschland herausgeschlichen und sind nun in Italien – aber nur Transit – auf dem Weg nach Griechenland. Die Peloponnes waren bis einschließlich Donnerstag letzter Woche noch „grün“ auf reopen.europe.eu. Und auch dort ist das Wetter deutlich besser als in München. Wenn man die Wahl hat, im grauen München den Lockdown zu zweit in einer 50qm Wohnung zu verbringen oder – allen Warnungen zum Trotz – etwas zu wagen und in die Sonne zu fahren … dann fällt die Wahl nicht wirklich schwer. Wir haben ja nicht viel zu verlieren. Entweder schickt man uns zurück oder läßt uns erst gar nicht rein … oder halt doch. Und dann sind wir allein unter Einheimischen – und alle tragen brav Masken und halten Abstand. Der Urlaub im Camper zu zweit in einem Land in dem man keinen kennt und dessen Sprache man nicht spricht ist eigentlich bereits Isolation pur. Ganz im Sinne von Hr. Söder und Dr. Drosten – halt nur ohne schlechte Laune und Netflix-Serien bis spät in die Nacht.
Und habe ich Bedenken? (mein Mann kennt sowas ja nicht): ja, klar. Aber der Wunsch, etwas zu erleben, siegt. Und fühle ich mich egoistisch, nach dem Motto, wenn das jeder machen würde, was dann? Nur ein bißchen: wer hat denn im November und Dezember bitte frei und ist so ungebunden wir wir: so gut wie niemand. Wir waren in den Monaten zuvor quasi im privaten Lockdown mit Homeoffice und Kontakten nur zu einer handvoll Freunden. Jetzt ist auch mal gut mit Abwarten und Teetrinken!