Vom Intu Africa Reserve ging es über den „scenic drive“ nach Keetmanshoop. Wir sind über 500 km über Schotterpiste gefahren. Das klingt aber schlimmer als es ist. In Namibia gibt es drei relevante Straßentypen: A, B oder C. A ist eine klassische Autobahn. Wir haben gerade gelernt, dass eine einzige A-Straße ganz neu eröffnet wurde oder bald wird. B-Straßen sind wie bei uns Bundesstraßen mit geteertem Belag und C-Straßen sind eigentlich ähnlich – halt Schotterpiste.


Die Landschaft war der Hammer und wechselte ständig. Sie war zu überwältigend um sie mit der Kamera festzuhalten, da insbesondere diese Weite und die wunderschönen Farben das Besondere sind. Die Stecke war aber doch sehr lang und es war heiß. Kurz vor Keetmanskoop gibt es eine Sehenswürdigkeit, den Quivertree Forest. Hier kann man Nambias größten Bestand an Köcherbäumen finden. Gerne wären wir angehalten aber bei 37 Grad haben wir uns entschieden doch weiter zu fahren und im klimatisierten Auto sitzen zu bleiben. Eine Stunde weiter lag das Canyon Roadhouse, ca. 20 KM vom Fish River Canyon entfernt. Dies war unser nächstes Übernachtungsziel. Die Distanzen in Namibia sind schon lang. Wir sind an der Intu Afrika Zebra Lodge gegen 8:30 am Morgen losgefahren und waren gegen 17 Uhr am Canyon Roadhouse, ohne viele lange Pausen. Wir haben uns mit dem Fahren abgewechselt.






Wir haben uns zunächst das Areal vom Canyon Roadhouse angeschaut. Es stehen viele alte Autos oder -Teile als Deko überall herum. Am Abend gab es Essen a la carte. Auch hier sind wir am nächsten Morgen zeitig gegen 8 Uhr aufgebrochen und in den Fish River Canyon Nationalpark gefahren. Der Canyon, der größte Afrikas, ist 160 km lang, bis zu 27 km breit und erreicht eine Tiefe von 550 Metern. Beeindruckend. Und neben uns weit und breit kein anderer Mensch. Im Winter, wenn die Temperaturen deutlich moderater sind, ist der Canyon ein super Wandergebiet. Es führt eine 5-Tage-Trekkingtour durch die Schlucht. Wir aber haben nur Fotos geschossen und haben uns dann am späten Vormittag auf den Weg nach Lüderitz gemacht.








Lüderitz ist eine kleine Stadt mit wichtigem Hafen direkt am kalten Atlantik. Der deutsche Einfluss aus der Kolonialzeit und zeitlich danach, ist an jeder Ecke sichtbar. Wir haben z.B. in der Bremer Straße gewohnt in einer Pension mit dem schönen Namen „Zur Waterkant“. Unser Laune war jedoch wegen der neuesten Corona-Nachrichten kurzzeitig am Boden und wir haben überlegt, wie es nun mit dem Urlaub weitergeht. Unser Reiseveranstalter hat uns angeboten uns auszufliegen aber wir haben dankend abgelehnt. Namibia hat eine Inzidenz von 3 und bisher noch keinen bestätigten Fall von Omikron.
Gleich bei Lüderitz liegt eine Halbinsel mit mehreren Viewpoints. Die sind wir abgefahren und dann ging es zu unserer Pension.





Unsere Gastgeber sind in Namibia geboren, sprachen aber ein phantastisches, super-flüssiges Deutsch ohne Akkzent. Man war immer verwundert, wenn sich mal ein grammatikalischer Fehler einschlich. Sehr süß. Vom Balkon hatte man einen wunderschönen Ausblick auf die Bucht. Hier lag eine Kreuzfahrschiff im Hafen. Unsere Vermieterin war ganz aufgeregt, es war das erste Kreuzfahrschiff in Lüderitz seit 2 Jahren. Corona hat Namibia richtig hart getroffen. Viele Menschen, die irgendwie im Tourismusbereich gearbeitet haben, sind arbeitslos geworden. Und in Namibia hilft der Staat nicht mit Überbrückungszahlungen oder ähnlichem. Es geht dann um die pure Existenz. Unsere Pensionsbesitzerin hatte Tränen in den Augen, als sie uns von ihren Problemen in den letzten 2 Jahren erzählte. „Zur Waterkant“ hätte genauso – inklusive Gastgebern – auch in Deutschland liegen können. Der Frühstücksraum war gleichzeitig das Wohnzimmer der Besitzer 🙂


Während uns in Windhoek abgeraten wurde, nach Dunkelheit noch durch die Stadt zu laufen, ist dies in Lüderitz kein Problem. Überall bekam man den Ratschlag, sich nicht wie ein typischer Tourist zu kleiden (wie auch immer der sich kleidet) und sich nicht mit Wertsachen zu behängen. Letzteres konnten wir problemlos umsetzen, wir haben nämlich keine. So untouristisch wie möglich sind wir durch Lüderitz spaziert und haben das Restaurant „The Portuguese Fisherman“ besucht. Es gab wirklich leckeres Essen.



Nach dem Frühstück am nächsten Morgen hatten wir eine Führung in Kolmanskop, einer Geisterstadt wenige Kilometer von Lüderitz entfernt. Hier gab es Anfang des 20. Jahrhunderts eine Diamantenmine. Der Ort hatte daher damals viel zu bieten. Neben Krankenhaus, Casino und Kegelbahn gab es ein Salzwasserschwimmbad, eine Bibliothek, Schule und eine Turnhalle. Die Führung war ganz interessant.











Weiter ging es zum Namtib Biosphere Reserve – unser erster „Farm stay“ in Namibia. Dies ist viel persönlicher als auf einer normalen Lodge. Man ist zu Gast bei den Farmern und alle Gäste essen mit den Gastgebern zusammen an einem Tisch. Wir hatten eine nette Truppe – in Summe 3 Paare aus Deutschland/Österreich und Lynn und Torsten, die die Farm mit den Eltern gemeinsam betreiben. Sie halten Oryx auf dem Land und leben in erster Linie vom Verkauf des Fleisches und von den Besuchern. Chrischi und ich haben eine kleine Wanderung einmal um die Farm gemacht (es geht wieder, Juhu!!!!). Torsten und Lynn versuchen sich in Nachhaltigkeit und möchten gerne autark sein. Gemüseanbau in der Wüste ist aber ein schwieriges Geschäft. Der Wassermangel ist dabei nicht das größte Problem sondern alle anderen hungrigen Tiermäuler abzuhalten, die auf ihrem Land leben und gerne auch frisches Grün kosten würden. Der Gemüsegarten ist der einzige Bereich, der mit Stacheldraht eingezäunt ist.














Tolle Bilder und Ihr macht es schon richtig. „O“ ist eh schon überall!
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