Bockwurst-Blues

Am nächsten Abend kam Lefteris zum Essen und es gab Lasagne mit Salat und Ciabatta. Es war super lecker und Lefteris kam ins Reden. Draußen regnete es und wir saßen „muckelig“ am warmen Kaminfeuer. Lefteris ist definitiv ein Schöngeist und auch die griechische Tragödie gehört zu einem seiner Interessensgebiete. Als Kinder haben er und sein Bruder an einigen Theaterstücken mitgewirkt. Sein Bruder ist dann auch Regisseur geworden, Lefteris selber musste Geld verdienen, er ist wohl der Ältere. Als es danach aussah, dass er uns den Inhalt jedes Theaterstückes erzählen wollte, bei dem er mitgespielt hat, haben wir ihm sanft zu verstehen gegeben, dass wir müde sind. Der Abend war sehr sehr unterhaltsam und schön. Am nächsten Tag haben wir noch einmal zusammen gegessen. Es gab die berühmten „Chorta“. Ich glaube, dass heißt nur „Kraut“ und meint eßbares Wildgemüse. Das „Chorta“ was uns Lefteris servierte waren Löwenzahnblätter, auf dem eigenen Grundstück gesammelt, dann gekocht und mit Olivenöl und Zitronensaft als Salat verzehrt. Dazu gab es frittierte Kartoffeln.

Schließlich war es Zeit für uns aufzubrechen. Wir haben uns herzlich von Lefteris und Dali verabschiedet und haben uns zum östlichsten Zipfel der Peloponnes aufgemacht: die Halbinsel Methana. Dort hatten wir uns zwei Wanderungen herausgesucht. Die erste war ein Spaziergang durch einen Pininenwald mit Blick auf das Meer. Der Wald war wirklich schön, die Tour an sich jedoch etwas langweilig: nur Staubstraße. Danach sind wir auf einen der erloschen Vulkane von Methana gestiegen. Laut Wanderführer gibt es davon mehr als 30 Stück. Die Tour war zwar kurz aber wieder sehr nach unserem Geschmack. Der Krater lag in einer Höhle und man konnte dort ein kurzes Stück hineinkraxeln.

Wieder am Auto angekommen, haben wir beschlossen die Halbinsel komplett zu umrunden. Einen Platz für die Nacht haben wir dann am Rande von Methana, der gleichnamigen Hauptstadt der Region, direkt am Strand gefunden. Da war es schön ruhig und am nächsten Morgen gab es einen super Sonnenaufgang.

Früh am nächsten Morgen ging es weiter zur Lousios-Schlucht bei Dimitsana. Wir haben uns mit der Fahrt Zeit gelassen und wollten an diesem Tag nur ankommen. Die Wanderung war für den Folgetag geplant. Auf dem Weg Richtung Schlucht sind wir durch eine Bergregion gefahren. Es wurde teilweise richtig frisch: unter 10 Grad. Kurz vor dem Ziel sind wir noch durch das malerische Bergdorf Stemnitsa gekommen, dann ging es 10 km steil in Serpentinen hinunter zum Eingang der Schlucht. Dort liegt auch das antike Gortys und wir haben neben den Ruinen am späten Nachmittag gegrillt.

Es kam an diesem Abend und auch am nächsten Morgen kein Mensch mehr zu unserem Stellplatz. Gleich unterhalb einer Steinbrücke, die man zum antiken Gortys und auch zur Schlucht überqueren muss, fließt der Lousios. Der Legende nach hat sich Zeus nach seiner Geburt im Lousios gewaschen. Etwas später am Tag tat Chrischi ihm gleich und das ist keine Legende 🙂 @Benjamin: dieses Mal habe ich auf ein verstörendes Foto verzichtet 🙂

Die Sonne schien bereits, erreichte aber noch nicht den Talgrund, als wie los stiefelten. Wir waren noch nicht weit gekommen da flogen zwei Kampfflieger im Tiefflugmanöver über die Schlucht. Auf dem Foto sieht das Flugzeug zwar aus wie Fliegenschiss aber wir brauchten etwas Zeit, die Kamera zu zücken und da waren die Flugzeuge schon fast nicht mehr zu sehen. Das war ein Lärm in der Schlucht!

Es ging zunächst bergauf bis zum Kloster Prodromou. Die Klosterzellen hängen wie Schwalbennester am Fels. Auch hier fragt man sich, warum die Mönche sich diesen Ort ausgesucht haben? Aber hier waren die Mönche vor Angriffen sicher. Zumindest bis man Kampfflieger erfand … Neben der spektakulären Bauweise der Klosterzellen bleibt uns noch ein sehr giftiger Hund in Erinnerung, der glücklicherweise eingezäunt war. Der war fast wahnsinnig vor Wut und versuchte mehrmals über den Zaun zu springen. Revierverhalten in allen Ehren, aber das war echt übertrieben. Es kam dann auch ein Mönch aus dem Kloster, wahrscheinlich um zu überprüfen, dass der Hund uns nicht zerfleischt.

Vom Kloster Prodromou ging es wieder talwärts zum Lousios, den man über eine Brücke überqueren musste. Schließlich ging es wieder hoch zum nächsten Kloster: das Kloster Filosofou. Das gibt es gleich zweimal: als verlassene, verfallene Ruine aus dem 10. Jahrhundert und das heutige Kloster. Laut Wanderführer wird man häufig am Kloster mit Wasser und Süßigkeiten empfangen. Jedoch nicht in Corona-Zeiten. Die Klosterkapelle war sehr kunstvoll verziert und wirklich beeindruckend. Danach ging es den selben Weg wieder retour.

Gegen 13 Uhr waren wir wieder am Auto. Die Sonne schien warm vom Himmel und wir hatten schon lange keinen Strand mehr gesehen. Daher es zog uns wieder ans Meer. Der Weg führte uns nach Kalamata und wir wollten uns das Stadtzentrum ansehen. Dort angekommen haben wir uns aber umentschieden. Was will man in einer Stadt in der alles geschlossen ist? Die Park4Night-App empfahl einen Stellplatz am Strand von Messini – nur wenige Kilometer weiter. Auf dem Weg dorthin haben wir uns take away jeder ein halbes Hendl geholt und am Strand gegessen. Und schon wieder war ein schöner Tag um.

3 Kommentare zu „Bockwurst-Blues

  1. Hallo Birte,
    von Deiner Mutter gehört, nun habe ich den Blog gefunden. Tolle Fotos und interessant geschrieben….ihr macht es richtig….kommt gut wieder zurück,
    liebe Grüße Christa….Otterndorf

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